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Ungefragt aktiv: Google Assistant reagiert auch auf "Kuchen"

Stand:

Digitale Sprachassistenten im Check: Nicht nur Alexa, auch der Google Assistant ist ungefragt aktiv und kann unbeabsichtigt Ausschnitte aus Alltagsunterhaltungen aufzeichnen und an die Anbieter übertragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auch Googles digitaler Sprachassistent „Google Assistant“ reagiert auf Abwandlungen und Begriffe, die dem Aktivierungswort ähnlich sind. So hört er nicht nur auf „Ok Google“ oder „Hey Google“, sondern auch auf „Ok Kuchen“ und „Ok Du“.
  • Abermals wurde Alexa geprüft: Amazons Sprachassistent reagiert auch auf „Alexandra“ (für „Alexa“), „Gecko“ (für „Echo“) und „Ham wa schon“ (umgangssprachlich „Haben wir schon“ für „Amazon“).
  • So kann es passieren, dass unbeabsichtigt Ausschnitte aus Alltagsunterhaltungen aufgezeichnet und an die Anbieter übertragen werden.
  • Das Marktwächter-Team hat Google erfolgreich abgemahnt: Der Anbieter darf das Recht der Nutzer auf Auskunft nicht einschränken.
Sprachassistenten hören häufiger zu als sie sollen
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Update 2. August 2019: Datenschutzbehörde eröffnet Verwaltungsverfahren gegen Google

Sprachassistenzsysteme kommen auf den Prüfstand. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) hat ein Verwaltungsverfahren gegen Google eröffnet. Die Datenschutzbehörde will mit ihrem Vorgehen zunächst vorläufig die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen schützen. Zuvor war bekannt geworden, dass Google-Mitarbeiter oder Dienstleister die Aufnahmen über ihre Sprachassistenten anhören und auswerten. Die Gespräche legen sensible personenbezogene Daten offen. 

Drei Monate lang dürfen von Google-Geräten aufgenommene Sprachmitschnitte innerhalb der EU nun nicht mehr durch Mitarbeiter oder Dritte ausgewertet werden. Wie es danach weiter geht, muss dann die Irish Data Protection Commission (IDPC) in Irland entscheiden, die für Google zuständig ist.

Digitale Sprachassistenten reagieren nicht nur auf Signalwörter

Auch Google Assistant, der Sprachassistent von Google, versteht so manches falsch: Das zeigt eine aktuelle technische Prüfung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale NRW. So reagiert er ebenso auf alltägliche Formulierungen wie „Ok, gucken wir mal“ oder „Ok gut“. Neben Googles Sprachassistenten prüften die Marktwächter-Experten auch wieder Amazons Alexa. Dabei wurden dieses Mal Begriffe gewählt, die nicht Teil des kürzlich veröffentlichten Marktwächter-Reaktions-Checks waren. So reagiert Amazons Sprachassistent etwa auch auf „Alexandra“ (für „Alexa“), „Gecko“ (für „Echo“) und „Ham wa schon“ (umgangssprachlich „Haben wir schon“ für „Amazon“). Und er kann sogar völlig willkürlich reagieren.

Verbraucher sollten sich also bei der Nutzung von digitalen Sprachassistenten bewusst machen, dass von Ihnen auch unbeabsichtigt Daten an die Anbieter-Server übertragen werden könnten. Außerdem hat die technische Prüfung gezeigt: Grundsätzlich ist es möglich, dass der „Gesprächsstoff“ der Nutzer (Informationsabfragen oder auch ungewollte Sprachaufzeichnungen) für Werbezwecke verwendet werden könnte. Denn bei der Installation des Google-Sprachassistenten wird ein Adserver eingebunden, der zur Auslieferung und Erfolgsmessung von Internet-Werbung eingesetzt wird. Und Amazon holt sich bei der App-Installation das Einverständnis der Nutzer zur Verwendung von Cookies und Internet-Werbung.

Wie können Sie sich schützen?

  • Wer mehr Kontrolle darüber haben möchte, wann Alexa reagiert, kann über die Toneinstellungen in der Alexa-App einen Ton aktivieren, der immer dann abgespielt wird, wenn der Sprachservice aktiviert wird ("Start der Anfrage") und Sprachaufzeichnungen weiterleitet. Eine weitere Toneinstellung ("Endton") ist möglich, die das Ende der Aufzeichnung angibt.
  • Ähnliches gilt für Google Home: Sie können selbst festlegen, wann das Tonsignal ertönen soll: am Anfang und/oder am Ende. Tippen Sie dafür in der Google Home App auf „Geräte“, auf „Einstellungen“ und dann auf „Bedienungshilfen“.
  • Wenn Sie wissen, dass Sie den Sprachservice einige Zeit nicht nutzen möchten, können Sie bei Amazon Echo und Google Home die Mikrofontaste am Lautsprecher drücken und den Sprachservice damit deaktivieren.
  • Schützen Sie auch die Persönlichkeitsrechte Dritter: Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, informieren Sie Ihren Besuch darüber, dass Sie einen digitalen Sprachassistenten (wie etwa Amazon Alexa) nutzen und schalten Sie ihn gegebenenfalls aus.
  • Während Google lediglich auf die beiden voreingestellten Signalwörter „Hey Google“ und „Ok Google“ reagieren soll, können Sie bei Alexa aus den vier Signalwörtern "Alexa", "Amazon", "Echo" und "Computer" eines auswählen.
    • Wählen Sie nicht "Alexa" als Aktivierungswort, wenn beispielsweise ein Familienmitglied oder Freund so heißt bzw. einen ähnlich klingenden Namen hat – wie etwa "Alexandra".
    • Wählen Sie nicht "Computer" als Aktivierungswort: Das Wort kommt häufig auch in Alltagsunterhaltungen vor; ungewollte Einblicke in Alltagsgespräche sind möglich.

Recht auf Auskunft darf nicht eingeschränkt werden

Verbraucher, die wissen wollen, welche Daten genau von ihnen beim Anbieter liegen, sollten problemlos von ihrem Recht auf Auskunft Gebrauch machen können: Doch Google hatte sich in der Vergangenheit offen gehalten, nach eigener Einschätzung Nutzeranfragen zu gespeicherten Daten abzulehnen – etwa wenn diese sich unangemessen oft wiederholten oder für sie einen unverhältnismäßigen technischen Aufwand erforderten. Wann dies genau der Fall ist, hatte Google jedoch seinen Nutzern nicht mitgeteilt. Auf Druck der Marktwächter-Experten hat Google eine Unterlassungserklärung unterzeichnet und diese unzulässige Datenschutzbestimmung gestrichen.


Weitere Ergebnisse der technischen Untersuchung Amazon Alexa und Google Assistant finden Sie hier und im detaillierten Hintergrundpapier.

App-Berechtigung: Mikrofon für Google und Siri sperren

Digitaler Sprachassistent Alexa reagiert nicht nur auf das festgelegte Aktivierungswort