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Ethisch-ökologische Aktienfonds: So legen Sie sauber an

Stand:

Auch Investmentfonds hinterlassen einen sogenannten Klima-Fußabdruck. Und der ist bei sogenannten ethisch-ökologischen Fonds nicht unbedingt kleiner als bei konventionellen.

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Untersuchungsergebnisse

Nur ein Aktienfonds meidet konsequent alle Problembranchen - und schließt Investitionen zum Beispiel in Waffen, Atomenergie oder Gentechnik vollständig aus. Das ist das Ergebnis des gemeinsamen Tests "Saubere Geld­anlage" der Verbraucherzentrale Bremen und der Stiftung Warentest.

Die anderen 45 Fonds im Test sind weitaus weniger streng. Einige haben beispielsweise kein Problem mit Unter­nehmens­titeln von Ölkonzernen.

Menschen, die Geld in nachhaltige Fonds investieren, möchten ihr Vermögen ökologisch und ethisch vertretbar anlegen und Rüstung, Waffen oder Kinderarbeit nicht in einem nachhaltigen Fonds sehen. Die Untersuchung hat Fondsprodukte dahingehend überprüft, wie konsequent diese und weitere ethisch und ökologisch bedenkliche Bereiche ausgeschlossen werden. Untersucht wurden 34 Aktien- und 12 Rentenfonds, zwei davon sind Staatsanleihenfonds. Sie werden in der folgenden Ergebniszusammenfassung nicht berücksichtigt:

  • 39 von 44 untersuchten Investmentfonds, die in Unternehmensaktien oder -anleihen investieren, schließen nicht die klimaschädliche Kohle- und Ölindustrie aus.
  • Acht nachhaltige Investmentfonds garantieren nicht, dass kein Geld mit Investitionen in Kriegsgerät wie Panzer oder Waffen verdient wird.
  • Fünf getestete Fonds lehnen Kinderarbeit nicht explizit ab.
  • Nur ein Aktienfonds meidet bei Investitionen alle von der Verbraucherzentrale Bremen bewerteten kontroversen Geschäftsfelder konsequent.

Fazit: Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig! Generell gibt es bei den untersuchten Fonds große Unterschiede hinsichtlich der Ausschlusskriterien. Bei vielen wird der Klimaschutz nicht ausreichend berücksichtigt. Manager ethisch-ökologischer Investmentfonds wählen beispielsweise immer noch Ölkonzerne als Investition aus. Firmen, die die international geächteten Antipersonenminen und Streumunition herstellen, schließen hingegen alle untersuchten Fonds aus.

Marktübersichten für eine einfache Orientierung

Ausführliche Informationen zu allen untersuchten Fonds sind in nach den Fondsgruppen "Aktienfonds Welt" und Rentenfonds Welt" (Euro) gegliederten Marktübersichten dargestellt. So können sich Anleger auf dem Markt der ethisch-ökologischen Investmentfonds besser orientieren.

Die Übersichten zeigen nicht nur, in welche Bereiche die jeweiligen Fonds konkret nicht investieren, sondern in welche Bereiche sie gezielt investieren und welches bei den Aktienfonds die zehn größten Positionen sind. Gerade weil jeder Anbieter Nachhaltigkeit anders definiert und es für ethisch-ökologische Finanzprodukte keine Mindeststandards gibt, ist es für Verbraucher wichtig, zu erfahren, ob ein Fonds bestimmte Bereiche konsequent ausschließt und wenn ja, welche dies sind.

Viele Fonds informieren Anleger nicht ausreichend

Die Transparenz vieler Anbieter lässt zu wünschen übrig. Nur 13 der 46 untersuchten Fonds haben eine sehr hohe bzw. hohe Transparenz. Nahezu die Hälfte, nämlich 20 Fonds, kommunizieren die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen eher schlecht.

Mit der Geldanlage das Klima schützen

Bei den ethisch-ökologischen Aktienfonds haben die Verbraucherzentrale Bremen und die Stiftung Warentest den Aspekt Klimaschutz besonders ins Auge gefasst und hierzu eine separate Marktübersicht mit den klimafreundlichsten Aktienfonds zusammengestellt. Wichtig war ihnen nicht nur, dass ein Fonds in bestimmte Bereiche wie Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz investiert, sondern auch, dass Unternehmen aus der klimaschädlichen Kohle- und Ölindustrie ausgeschlossen werden.

Zur Untersuchungsmethodik

Für die Untersuchung erhielten die Fondsgesellschaften einen umfangreichen Fragebogen. Die in der Untersuchung veröffentlichten Fondsdaten zu den Nachhaltigkeitsansätzen stammen von den Anbietern selbst. Um nach ihren jeweiligen Kriterien nachhaltige Titel auszuwählen, arbeiten die Anbieter mit Agenturen zusammen, die Firmen und Staaten nach ethischen und ökologischen Kriterien bewerten. Sie verlassen sich dabei oft auf die Angaben der Unternehmen. Ethisch-ökologische Investments sind daher spätestens an dieser Stelle auch in dieser Untersuchung Vertrauenssache.

Untersuchungsmethode

Ausschlusskriterien für Unternehmen

Untersucht wurde, nach welchen ökologischen und ethischen Kriterien 34 Aktienfonds Welt, zehn Rentenfonds Welt, die überwiegend in Euro-Staats- und Euro-Finanzanleihen investieren, und zwei Staatsanleihen-Fonds Euroland anlegen. Die Prozentzahl sagt, wie stark der Fonds die von der Verbraucherzentrale Bremen und der Stiftung Warentest festgelegten Ausschlusskriterien einhält. Alle Fondsdaten stammen von Anbietern. Ein Fonds erhielt nur dann ein "Ja" für ein Ausschlusskriterium, wenn der jeweils wichtigste Teilaspekt erfüllt war. In die Bewertung gingen jedoch noch weitere Aspekte ein.

Ausschlusskriterien für Aktien- und Rentenfonds

  • Agrar-Gentechnik
    Herstellung und Entwicklung gentechnisch veränderten Saatguts
  • Atomkraft
    Betrieb von Atomkraftwerken
  • Banken: Spekulationen mit Nahrungsmitteln
    Spekulation mit Agrarrohstoffen
  • Erdöl
    Erdölförderung
  • Fracking
    Förderung von Gas- und Erdölvorkommen in Gesteinsschichten
  • Glücksspiel
    Entwicklung und Herstellung von Glücksspielen (zum Beispiel Spielautomaten)
  • Industrielle Tierhaltung
    Aufzucht und Haltung von Tieren in industrieller Form
  • Kinderarbeit
    Kinderarbeit entgegen der ILO Übereinkommen 138 und 182
  • Menschenrechtsverletzungen
    Menschenrechtsverletzungen auf Basis der UN¬Menschenrechtscharta, zusätzlich drei weitere Themen aus den Kernarbeitsnormen "Abschaffung der Zwangsarbeit" (ILO Übereinkommen 29 und 105), "Gewerkschaftsrechte" (ILO Übereinkommen 87 und 98) und "Gleichbehandlung" (ILO Übereinkommen 100 und 111)
  • Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit bei direkten Zulieferern
    Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit bei Zulieferern in allen Branchen
  • Pornografie
    Herstellung pornografischer Materialien
  • Waffen und Rüstung
    Herstellung und Entwicklung jeglicher Waffen- und Rüstungsgüter
  • Zerstörung von Ökosystemen
    Zerstörung von Ökosystemen

 

Ausschlusskriterien für Rentenfonds

  • Atomkraft
    keine nationalen Gesetze oder Moratorien zum Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft
  • Kinderarbeit
    Kinderarbeit entgegen der ILO Übereinkommen 138 und 182
  • Korruption, Steuervermeidung und Geldwäsche
    Überschreitung des Grenzwerts von 50 Prozent des Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index)
  • Mangelhafter Klimaschutz
    Anleihen von Staaten, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben
  • Mangelhafter Schutz von Natur und Artenvielfalt
    Anleihen von Staaten, die die Stockholm-Konvention der UN nicht ratifiziert haben
  • Menschenrechtsverletzungen
    Anleihen von Staaten, die von autoritären Regimen gemäß Freedom House beherrscht werden
  • Arbeitsrechtsverletzungen
    Anleihen von Staaten, die Kinderarbeit nicht verbieten
  • Waffen und Rüstung
    Anleihen von Staaten, die das Übereinkommen über Streumunition (Oslo-Übereinkommen) nicht ratifiziert haben

 

Gezielte Investitionen

Abgefragt wurde, welche Art von Unternehmen ein Fonds bevorzugt. Im Bereich Gesundheit sind das etwa Betreiber von Pflegeeinrichtungen und Hersteller von Generika. Das sind Medikamente in Form preiswerter Nachahmerprodukte.

Engagement

Fondsgesellschaften können Stimm- und Rederechte auf Hauptversammlungen ausüben. Die Marktübersichten zeigen, ob sie das tun und ob sie auch direkt mit Unternehmensleitungen sprechen.

Klimakriterien

Die Angabe fasst das Engagement eines Fonds in sechs klimarelevanten Ausschlusskriterien und drei gezielten Investitionsbereichen zusammen.

Transparenzanalyse

Es wurde beurteilt, ob Anbieter in ihren Publikationen die Informationen veröffentlichen, die Anleger benötigen, um die konkreten ethisch-ökologischen Anlageansätze eines Fonds beurteilen zu können. Besonders wichtig war dabei, dass die vom Fonds gewählten Nachhaltigkeitsansätze in den Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) genannt wurden, da sie Anlegern vor einer Anlageentscheidung ausgehändigt werden müssen und verbindlichen Charakter haben.

Darüber hinaus wurde u. a. überprüft, ob die folgenden Informationen von der Fondsgesellschaft veröffentlicht wurden:

  • Konkrete Definitionen der Ausschlusskriterien und der "gezielten Investitionen"
  • Angaben zu den tolerierten Umsatzanteilen bei Ausschlusskriterien
  • Häufigkeit und Umfang der Veröffentlichungen zum Portfolio