Almased: Gerichte verbieten Werbung mit enormen Gewichtsverlusten

Stand:

Anbieter verliert endgültig wegen wettbewerbswidriger Schlankheitswerbung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Werbung mit konkreten Angaben über Dauer und Ausmaß einer Gewichtsreduktion für Diätprodukte ist unzulässig.
  • Anpreisungen für Lebensmittel, die die Linderung von Schmerzen oder Krankheitssymptomen versprechen, sind rechtswidrig.
  • Almased muss derartige Werbung unterlassen.
  • Mahlzeitenersatz ist nur ein Baustein bei der Gewichtsreduktion.
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Erfolgsgeschichten zuhauf gepaart mit enormen Gewichtsverlusten - so hat die Firma Almased Wellness GmbH aus Bienenbüttel in der Lüneburger Heide für das Lebensmittel "Almased-Vitalkost" geworben. Zudem lockte die Gesellschaft mit allerlei Aussagen, die Diabetiker, Rheumatiker und an Osteoporose erkrankten Menschen Linderung und Besserung verheißen.

Diese Art der Werbung hielt die Verbraucherzentrale für hochgradig unseriös, unverantwortlich und irreführend. Solche Versprechen verführen verzweifelte Übergewichtige und Kranke leicht zum Kauf. Denn vor allem mit Übergewicht oder Adipositas geht oft auch soziale Ächtung und ein langer Leidensdruck einher.

Das Landgericht Lüneburg (Urteil vom 2. April 2015, Az.: 7 O 106/14) hat die Rechtsauffassung der Verbraucherzentrale bestätigt, ebenso die Richter des Oberlandesgerichts Celle am 22.10.2015 (Az.: 13 U 47/15). Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Die Almased Wellness GmbH hat daraufhin die Möglichkeit genutzt, Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen, um eine Zulassung der Revision beim BGH (Az.: I ZR 233/15) zu erreichen. Diese Beschwerde wurde mit Beschluss des BGH am 29.09.2016 zurückgewiesen. Damit wurde das Urteil des Landgerichts Lüneburg mit Zustellung des BGH Beschlusses an den Gegner rechtskräftig.

Die Almased Wellness GmbH wurde dazu verurteilt, Werbung mit konkreten Angaben über Dauer und Ausmaß einer Gewichtsreduktion für ihr Diätprodukt zu unterlassen.

Auch hat das Gericht der Firma verboten, das Produkt mit den Versprechen anzupreisen, es lindere oder bessere Erkrankungen wie Osteoporose, Rheuma oder Diabetes. Denn Lebensmittel dienen ihrer Bestimmung nach der Ernährung und nicht der Behandlung von Krankheiten. Daher sind Anpreisungen für Lebensmittel, die die Linderung von Schmerzen oder Krankheitssymptomen versprechen, rechtswidrig. Ebenso darf auf den Verpackungen nicht mehr mit den unzulässigen Angaben "aktiviert den Stoffwechsel" und/oder "reguliert nachweislich den Blutzuckerspiegel" geworben werden.

Änderung des Lebensstils

Gemäß den Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung von Adipositas soll das Gewichtsmanagement darauf basieren, dass Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie zusammenwirken. Das heißt, Schlankheitsprodukte allein verhelfen nicht automatisch dazu, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren. Mahlzeitenersatz-Produkte wie "Almased-Vitalkost" können unter ärztlicher Kontrolle für stark Übergewichtige zwar ein guter Einstieg sein, abzunehmen oder einzelne Mahlzeiten zu ersetzen. Langfristig lässt sich das Gewicht jedoch nur erfolgreich senken, wenn der Lebensstil geändert wird. Was dabei im Vordergrund steht - ob Aktivität, Essgewohnheiten, Motivation oder soziales Umfeld - hängt von der individuellen Situation ab.