Menü

Wissen nützt – Wissen schützt

891,31 Euro wegen illegalen Streamings: Abmahnbriefe sind gefälscht!

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine angebliche Rechtsanwaltskanzlei Gromball aus Berlin fordert Geld wegen der Nutzung der Streaming-Plattform kinox.to.
  • Die Kanzlei existiert jedoch nicht, ihre Internetseite ist gefälscht. Das Geld soll auf ein ausländisches Konto überwiesen werden.
  • Erhalten Sie so eine Abmahnung, ignorieren Sie das Schreiben und zahlen Sie nicht! Eine Verbraucherin berichtet uns außerdem, dass nach dem Schreiben Anrufe bei ihr eingegangen sind. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen!
Brief-Ärger
Off

Den angeschriebenen Verbrauchern wird vorgeworfen, die illegale Streamingplattform kinox.to genutzt zu haben. Angeblich im Auftrag der 20th Century Fox Ltd. fordert eine Anwaltskanzlei Gromball aus Berlin nun 891,31 Euro wegen einer damit begangenen Urheberrechtsverletzung. Doch das Schreiben ist offensichtlich gefälscht, die Forderung aus der Luft gegriffen.

Identische Schreiben

Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg liegen mehrere Schreiben vor, die inhaltlich gleich sind. Es unterscheidet sich lediglich der Name des Empfängers. Sogar das Aktenzeichen und die Rechnungsnummer sind in den vorliegenden Unterlagen identisch, was ein eindeutiger Hinweis auf eine Fälschung ist.

Eine Verbraucherin hat außerdem von Anrufen berichtet, die einige Tage nach dem Brief kamen und bei denen sie erneut zur Zahlung aufgefordert wurde. Lassen Sie sich davon nicht unter Druck setzen! Sollten Sie solche Briefe erhalten haben oder sogar angerufen worden sein, können Sie auch bei der Polizei Anzeige erstatten.

Keine genauen Angaben

Den Schreiben fehlen außerdem konkrete Angaben zu dem angeblichen Verstoß. Es werden weder eine IP-Adresse noch ein Zeitraum aufgeführt, womit sich der behauptete Verstoß beweisen ließe. Auch werden weder eine strafbewehrte Unterlassungserklärung noch die hiermit verbundenen Rechtsanwaltskosten gefordert.

Konto im Ausland

Das Geld soll auf ein Konto im Ausland überwiesen werden, angeblich direkt an den Geschädigten. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es sich um ein unseriöses Schreiben handelt, hinter dem keine echten Anwälte stecken. Deutsche Kontodaten beginnen mit den Buchstaben DE.

Fake-Abmahnungen bisher per E-Mail

Bisher kennen die Verbraucherzentralen gefälschte Abmahnungen hauptsächlich als E-Mails. Dass nun Schreiben mit größerem Aufwand per Post verschickt werden, deutet auf eine neue Qualität der Abzocke hin.

Internetseite mit geklauten Inhalten

Die sehr professionell gestaltete Internetseite der angeblichen Kanzlei aus Berlin ist seit dem 09.01.2018 nicht mehr erreichbar. Sie war kaum als Fake zu enttarnen. Recherchen der Verbraucherzentrale NRW haben ergeben, dass die Texte, Layouts, Logos, sowie Fotos und Lebensläufe der angeblichen Anwälte und sogar ein Image-Video hauptsächlich von den Seiten zweier existierender deutscher Kanzleien kopiert und teilweise auch nachträglich angepasst wurden, um die wahre Herkunft zu verschleiern. Die betroffenen Anwälte wurden informiert und prüfen nach Kenntnisstand der Verbraucherzentrale NRW eigene rechtliche Schritte bzw. haben die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet. Ebenso wie die Rechtsanwälte Nogossek & Gromball, die es tatsächlich in Münster gibt und die sich auf ihrem eigenen Internetauftritt von den Briefen distanzieren und vor einer Zahlung warnen.

Sollten Sie eine vermeintliche Abmahnung erhalten, können Sie sich bei Zweifeln auch bei den Rechtsanwaltskammern über die tatsächliche Zulassung des im Schreiben angeführten Rechtsanwalts informieren.

gefälschte Abmahnung einer Kanzlei Gromball
Solche Schreiben haben uns mehrere Verbraucher vorgelegt.