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Ärger um Kündigung – so setzen Sie Ihre Rechte beim Fitnessstudio durch

Stand:

Wegen der Corona-Krise haben viele Fitnessstudios die Verträge ihrer Kunden verlängert. Betroffene beschweren sich bei uns, weil ihre fristgerechte Kündigung nicht akzeptiert wird – einige sollen sogar für zwei oder drei Monate zusätzlich zahlen. Dieses Vorgehen müssen Sie sich nicht bieten lassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer sein Fitnessstudio wegen Corona nicht nutzen konnte, weil es ganz geschlossen war oder ein Notprogramm angeboten hat, der muss für die Zeit nicht oder zumindest nicht den vollen Beitrag zahlen.
  • Den Verbraucherzentralen ist jetzt sogar ein Studio aufgefallen, das auf eine fristgerechte Kündigung mit einer kostenpflichtigen Vertragsverlängerung um drei Monate reagiert hat.
  • Wer kann, sollte wegen Corona nicht kleinlich gegenüber Anbietern in Not auftreten. Aber ein verlängerter Vertrag bei fortgesetzten Beitragszahlungen ist unzulässig und nicht zu akzeptieren. Wir zeigen, wie Sie sich wehren.
Ein Mann trainiert im Fitnessstudio auf einem Laufband
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Vertrag ist Vertrag – dieser alte Grundsatz gilt auch in Corona-Zeiten. Doch immer wieder melden sich Freizeit-Sportler bei den Verbraucherzentralen, weil sie Vertragsärger mit ihrem Fitnessstudio haben. In einem aktuellen Fall hatte ein Mitglied eines Lübecker Fitnessclubs seinen über 24 Monate laufenden Vertrag fristgerecht zum 31.1.2021 gekündigt. Das Studio bestätigte die Kündigung zum 30.4.2021 – also mit drei Monaten kostenpflichtiger Verlängerung. Auf seinen Einspruch per E-Mail erhielt der Betroffene lediglich automatische Standardantworten und die Mitteilung, dass der Support abgeschaltet und die Nachricht unzustellbar sei.

Für solche kostenpflichtigen Vertragsverlängerungen gibt es nach unserer Rechtsauffassung keine Rechtsgrundlage. Eine in diesem Zusammenhang bemühte Entscheidung des AG Torgau (Urteil vom 20.08.2020, AZ: 2 C 382/19, nicht veröffentlicht) trifft, unserem Verständnis nach, zu dieser Frage entgegen anderslautender Berichte keine Aussage. Ausführungen zu der in diesen Fällen vorliegenden Unmöglichkeit konnten wir den Entscheidungsgründen nicht entnehmen. Die im Vertrag genannte Laufzeit gilt deshalb auch dann, wenn das Fitnessstudio wegen der Corona-Pandemie vorübergehend schließen musste. Verlängerungen sind grundsätzlich

  1. nur freiwillig möglich und
  2. müssen für die Kunden kostenfrei sein (zumindest dann, wenn sie sich nicht selbst auf eine Zahlung einlassen).

Achten Sie darum genau darauf, wie Ihr Fitnessstudio mit der Corona-Zeit umgeht. Viele Studios konnten über längere Zeiträume nicht öffnen, aber nicht alle haben deshalb auch die Beiträge Ihrer Mitglieder verringert oder ganz ausgesetzt. Und Online-Angebote wie Kurse per Videoschalte waren nicht für alle Kunden ein gleichwertiger Ersatz zum gewohnten Studio-Besuch.

Grundsätzlich müssen Sie nur für die Zeiten Ihre Beiträge zahlen, in denen Sie den per Vertrag versprochenen Service auch nutzen konnten. Darum ist die Rechtslage eindeutig, dass bei ganz geschlossenen Studios beziehungsweise einem nicht gleichwertigen Ersatzprogramm Beiträge erlassen oder gemindert werden müssen.

Halten Sie auf der anderen Seite aber Augenmaß. Hat sich das Studio um Lösungen bemüht, waren Sie zum Beispiel mit einem Online-Programm zufrieden oder bietet Ihr Studio eine kostenlose Verlängerung des Vertrags an im Gegenzug für die Corona-Monate? Solche Lösungen können Sie, wenn dies für Sie möglich ist, durchaus akzeptieren. Die Corona-Krise hat viele Unternehmen und ihre Beschäftigten hart getroffen, besonders im Frühjahr 2020.

Wenn Ihr Fitnessstudio eine fristgerechte Kündigung nicht akzeptiert und Sie sich dagegen wehren möchten, gehen Sie am besten so vor:

Erster Schritt: Zustellung der Kündigung nachweisen

Verbraucher können sich gegen solche Tricks wehren und ihr Recht durchsetzen. Wichtig ist zunächst der Nachweis, dass die fristgerechte Kündigung beim Empfänger angekommen ist. Eine Möglichkeit ist es, mit zwei ausgedruckten Kündigungen persönlich im Fitnessstudio zu erscheinen. Ein Exemplar erhält das Studio, das andere können Sie sich dort mit einem Eingangsstempel versehen bzw. mit dem aktuellen Datum unterschreiben lassen. Ein anderer Weg ist die Zustellung per Post als Einschreiben mit Rückschein oder per Fax mit qualifiziertem Sendebericht. In beiden Fällen haben Sie einen Beleg darüber, dass Sie dem Fitnessstudio geschrieben haben und an welchem Datum das war.

In jedem Fall kommt es darauf an, alle Unterlagen als Beweismittel gut aufzubewahren. Kommt es zum weiteren Streit darüber, ob eine Kündigung rechtzeitig angekommen ist, helfen die Unterlagen, das zu beweisen.

Zweiter Schritt: Zahlung einstellen und Bankeinzug widerrufen

Im zweiten Schritt können Sie dann die Zahlung an das Studio einstellen – und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem die fristgerechte Kündigung gilt.

  • Wer selbst einen Dauerauftrag bei seiner Bank eingerichtet hat, kann diesen einfach stoppen.
  • Wer per Lastschrift zahlt, kann gegenüber dem Fitnessstudio nicht nur die Kündigung erklären, sondern auch schriftlich die Einzugsermächtigung widerrufen. Sollte das Fitnessstudio trotzdem weiterhin unrechtmäßig Beträge abbuchen, können Sie diese über die eigene Bank zurückholen.

Zusätzlich können Sie von Ihrem Fitnessstudio eine Auskunft darüber verlangen, auf welcher Rechtsgrundlage die Vertragsverlängerung beruht. So machen Sie deutlich, dass Sie das rechtswidrige Handeln erkannt haben und nicht hinnehmen.