Unter Berücksichtigung der gültigen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sind alle Beratungsstellen weiterhin telefonisch erreichbar und organisieren eine Beratung für Sie. (Rostock 0381 / 208 70 50 , Schwerin 0385 / 591 81 10 oder Neubrandenburg 0395 / 568 34 10). Nutzen Sie auch den Weg über unsere sichere Online-Beratung.

Schwangerschaft: Welche Untersuchungen zahlt die Kasse?

Stand:

Schwangere Frauen haben Anspruch auf eine Vielzahl an Vorsorge-Untersuchungen und Beratungen mit dem Ziel, den Gesundheitszustand von Mutter und Kind kontinuierlich zu überwachen. In Risikofällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für weitere erforderliche Maßnahmen und bieten zusätzliche Extras freiwillig an. IGeL-Leistungen in der Schwangerschaft sind für eine bessere Vorsorge daher nicht zwingend.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Drei Ultraschalluntersuchungen sind während einer Schwangerschaft Kassenleistung.

  • Auch alle wichtigen Tests auf Erkrankungen wie Röteln, Hepatitis B, HIV oder Schwangerschaftsdiabetes sind für gesetzlich Versicherte kostenfrei.

  • Viele Krankenkassen zahlen ihren Mitgliedern Untersuchungs-Extras als freiwillige Zusatzleistung ("Satzungsleistungen").

Schwangere
On
  • Spezielle Untersuchungen wie etwa ein Organ-Ultraschall sind als IGeL selbst zu bezahlen, bei Verdacht auf eine bestimmte Entwicklungsstörung, bei einem unklaren Befund oder einer Risikoschwangerschaft aber Kassenleistung.

  • Wer sich mehr wünscht als gesetzlich vorgesehen, der sollte vorher bei der Krankenkasse nachfragen, welche Leistungen zusätzlich übernommen werden.

  • Wichtig zu wissen: Ultraschalluntersuchungen bieten keine hundertprozentige Sicherheit, dass das Kind gesund ist.

Welche Kassenleistungen für Schwangere gibt es?

In der Mutterschaftsrichtlinie ist geregelt, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Untersuchungen von Mutter und Kind (Beurteilung des Gesundheitszustandes, Erkennung von Risikoschwangerschaften)
  • Kontrolle von Blutdruck und Gewicht der Mutter
  • Urinuntersuchung auf Eiweiß und Zucker
  • 3 Basis-Ultraschalluntersuchungen
  • Tastuntersuchungen zur Beurteilung von Stand der Gebärmutter und Kindslage
  • Kontrolle der kindlichen Herzaktivitäten
  • Blutuntersuchungen: Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtests (AK), Hämoglobinbestimmung sowie Tests auf Infektionen von Chlamydien, Röteln, Lues (Syphilis) und Hepatitis B
  • Toxoplasmose-Test (bei begründetem Verdacht auf eine Infektion)
  • Test auf Schwangerschaftsdiabetes
  • HIV-Test
  • Impfung gegen saisonale Influenza
  • Aufklärung zur Mundgesundheit und Ernährungsempfehlungen (z.B. erhöhte Jodzufuhr).

Bestimmung des Rhesusfaktors

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung wird die vorgeburtliche Bestimmung des Rhesusfaktors des Kindes bei Rhesus-negativen Schwangeren Kassenleistung. Gesetzlich versicherte Schwangere mit negativem Rhesusfaktor haben voraussichtlich ab Juni 2021 Anspruch aufeinen einfachen Bluttest. Damit wird aus dem mütterlichen Blut der Rhesusfaktor des Kindes bestimmt. So ist es möglich, nur den Frauen eine Spritze mit Anti-D-Prophylaxe zu geben, bei denen es nötig ist. Die Spritze verhindert, dass das mütterliche Blut Abwehrstoffe gegen den Rhesusfaktor des Kindes bildet, wenn sich das Blut des Kindes mit dem der Mutter mischt. Diese Reaktion tritt nur ein, wenn eine rhesus-negative Frau ein rhesus-positives Kind erwartet.

Bisher erhalten alle rhesus-negativen Schwangeren eine Anti-D-Prophylaxe in der Schwangerschaft, etwa 40 Prozent unnötigerweise. Denn etwa die Hälfte der Schwangeren mit negativem Rhesusfaktor erwartet ein rhesus-negatives Kind. Dann sind keine Probleme zu erwarten. Die neue Regelung gilt jedoch nicht für Frauen mit einer Mehrlingsschwangerschaft. Da es sich bei der vorgeburtlichen Rhesusfaktorbestimmung aus der Blutprobe der Schwangeren um eine genetische Untersuchung handelt, müssen Schwangere nach den Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes aufgeklärt und beraten werden.

Welche Ultraschalluntersuchungen zahlt die Kasse?

Die drei gesetzlich vorgesehenen Basis-Ultraschalluntersuchungen finden um die 10., die 20. und die 30. Schwangerschaftswoche statt. Sie dienen der regelmäßigen Kontrolle, ob die Schwangerschaft normal verläuft und ob sich das Kind altersgemäß ohne Fehlbildungen und Funktionsstörungen entwickelt. Seit 2013 können Schwangere beim zweiten Basis-Ultraschall zwischen dem normalen oder dem erweiterten Ultraschall wählen. Hierbei werden zusätzlich wichtige Körperteile des Kindes (Kopf, Hals, Rücken, Brust und Rumpf) genauer untersucht. Richtlinien geben vor, dass Ärzte dafür über eine besondere Qualifikation und Apparatur verfügen müssen, andernfalls muss an einen geschulten Kollegen überwiesen werden.

Welche Zusatzleistungen bieten Ärzte an?

Seit dem 01. Januar 2021 sind Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft, die nicht medizinisch notwendig sind, untersagt. Es sind im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge drei Ultraschalluntersuchungen, auch Sonografie genannt, vorgesehen.

Der IGEL-Monitor kam im Jahre 2016 zu dem Ergebnis, dass die zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen keinen medizinischen Nutzen haben.

Wissenschaftliche Studien zeigten keine ausreichenden Hinweise auf einen Nutzen bei der Frage, ob mit zusätzlichen Ultraschall-Untersuchungen die Gefahr der Säuglingssterblichkeit reduziert werden kann, ob Fehlbildungen, Wachstumsstörungen oder auch Geburtsrisiken besser erkannt werden können, und ob die elterlichen Bindung an das Kind stärker wird.

Demnach ist seit dem 01. Januar 2021 im Rahmen der neuen Strahlenschutzverordnung das sogenannte "Babyfernsehen" verboten.

Beim "Baby-TV" macht der Gynäkologe 3D- und 4D-Ultraschalluntersuchungen, die einzig und alleine dem Zweck dienen, Bilder oder Filme von dem Ungeborenen zu machen. Solche medizinisch nicht notwendigen Ultraschall-Untersuchungen dürfen  zum Schutz des Fötus nicht mehr durchgeführt werden, da mit Beginn der Knochenbildung wesentlich mehr Schallenergie am Knochen absorbiert wird. Die im Rahmen der normalen Schwangerschaftsvorsorge durchgeführten und von den Kassen bezahlten 2D-Untersuchungen bleiben. Stellen Ärzte Auffälligkeiten in der Entwicklung des Kindes fest, dürfen sie auch nach 2021 einen 3D- oder 4D- Ultraschall durchführen. Dies kann beispielsweise bei Verdacht auf eine bestimmte Entwicklungsstörung, einem unklaren Befund oder einer Risikoschwangerschaft als Kassenleistung erfolgen. Meist müssen Schwangere dafür eine spezialisierte Praxis aufsuchen.

Tipps für Patientinnen

  • Kostenpflichtige Zusatzangebote in der Schwangerschaft sollten Patientinnen stets kritisch hinterfragen und sich von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen.
     
  • Wer sich mehr wünscht als gesetzlich vorgesehen, der sollte vor Inanspruchnahme bei seiner Krankenkasse nachfragen, welche Leistungen zusätzlich übernommen werden.
     
  • Je nach Satzung der Krankenkassen sind Extraleistungen möglich wie z.B.  , zusätzliche Hebammenrufbereitschaft, alternative Heilmittel, Nackenfaltenmessung, Zahnvorsorge in der Schwangerschaft oder Geburtsvorbereitungskurse für Väter.

 

 

Mehr zum Thema

Mutterschafts-Richtlinien des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Merkblatt Basis-Ultraschalluntersuchungen (G-BA)

Gesundheitsinformation des IQWiG zu Schwangerschaft und Geburt

Ratgeber der Verbraucherzentrale NRW: Schwangerschaft und Geburt selbstbestimmt