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Lebensmittel mit zugesetzten speziellen Ballaststoffen (früher "Prebiotika")

Stand:

Hersteller konnten die versprochenen Wirkungen nicht belegen. Prebiotika sind heute einfach „nur“ noch Ballaststoffe.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Präbiotische Ballaststoffe sind spezielle wasserlösliche Ballaststoffe.
  • Beispiele dafür sind Inulin, Oligofruktose oder Fructan.
  • Eine besondere positive Wirkung auf die Darmflora konnte von den Herstellern nicht belegt werden.
  • Die positive Wirkung als Ballaststoff für die Darmtätigkeit ist dagegen unbestritten.
  • Bei empfindlichen Personen können schon weniger als 10 Gramm täglich Blähungen oder Durchfälle auslösen.
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bei der Bewertung von Lebensmittelwerbung mit Gesundheitsbezug ("Health Claims") auch die Aussagen zu Lebensmitteln geprüft, die mit ganz bestimmten Ballaststoffen angereichert werden. Die Hersteller konnten die ausgelobten positiven Effekte dieser „präbiotischen Ballaststoffe“ für die Gesundheit nicht nachweisen.

Häufig werden Lebensmitteln Inulin oder Oligofruktose zugesetzt. Diese Bei­mischungen finden sich in zahlreichen Produkten: in Backwaren, Milcherzeugnissen, Fruchtsäften und Müsliriegeln, aber auch in Süßwaren, Säuglingsnahrung, Nahrungsergänzungs­mitteln oder Wurst. Die als Präbiotika  bezeichneten Zusätze sind besondere wasserlösliche Ballaststoffe; sie gelangen in den Dickdarm und werden dort hauptsächlich von Bifidobakterien als Nahrung genutzt. Die Prebiotika sollen so das Wachstum dieser günstigen Bakterien im Darm fördern, das von unerwünschten Bakterien hemmen und positiv auf die Darmtätigkeit wirken.

Teilweise werden diese Ballaststoffe zusammen mit speziellen Bakterien (meist Bifidokulturen oder Milchsäurebakterien) in einem Lebensmittel verarbeitet. Dabei dienen die Ballaststoffe als „Futter“ für die Bakterien.

Bewertung durch die EFSA

Bei der Bewertung von Lebensmittelwerbung mit Gesundheitsbezug ("Health Claims") durch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) wurden auch die Aussagen zu Inulin oder Oligofruktose wie "unterstützt eine gesunde Darmflora" oder "verbessert die Verdauungsfunktion" auf ihre wissenschaftliche Haltbarkeit geprüft.

Die Hersteller konnten die ausgelobte "präbiotische" Wirkung nicht belegen, bzw. wurden die Inhaltsstoffe nicht genau genug charakterisiert. Seit Mai 2012 sind diese Werbesprüche deshalb verboten.

Erlaubt sind hingegen Aussagen zu Ballaststoffen aus Roggen, Hafer oder Zuckerrübenfaser. Hersteller dürfen bei Zusatz von mindestens 6 Gramm je 100 Gramm festem und 3 Gramm pro 100 Milliliter flüssigem Lebensmittel damit werben, dass diese Produkte zur normalen Verdauungstätigkeit beitragen bzw. das Stuhlvolumen erhöhen. Natürliches, aus Chicoree gewonnenes Inulin ist laut EFSA geeignet, den normalen Stuhlgang zu unterstützen und die Stuhlfrequenz zu erhöhen, wenn davon täglich mindestens 12 Gramm verzehrt werden.

Nach der EU-Positivliste der erlaubten gesundheitsbezogenen Angaben darf bei einzelnen Ballaststoffen wie Beta-Glucan und Glucomannan (aus der Konjakwurzel) darauf hingewiesen werden, dass sie dazu beitragen, einen normalen Blutcholesterinspiegel aufrechtzuerhalten.

Nicht für jeden verträglich

Inulin und Oligofruktose sind in bestimmten Lebensmitteln von Natur aus enthalten, zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Weizen, Chicorée, Artischocke, Schwarzwurzel, Lauchgewächse oder Spargel. Je nach Ernährungsgewohnheiten liegt die Aufnahme aus diesen Quellen zwischen 3 und 11 Gramm am Tag. Von den meisten Menschen werden Mengen bis zu 30 Gramm, verteilt über den Tag, ohne allzu große Probleme toleriert. Bei empfindlichen Personen können allerdings schon weniger als 10 Gramm am Tag Blähungen oder Durchfälle auslösen - vor allem wenn sie zusammen mit flüssigen Lebensmitteln wie etwa Frühstücksdrinks aufgenommen werden.

Inulin, Oligofruktose und Fruktane zählen zu den sogenannten FODMAP (Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide and Polyole). Sie können durch die schlechte Resorption im Dünndarm, ihre kleine Molekülgröße (osmotisch aktiv) und die schnelle Fermentierung durch die Darmbakterien zu Magen-Darmbeschwerden führen.

Angaben auf der Verpackung

Angaben zu Ballaststoffen sind in der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln seit 2014 nicht mehr vorgesehen, sie dürfen aber gemacht werden. Machen die Hersteller auf der Verpackung von Lebensmitteln Angaben zu Ballaststoffen – werben sie also damit -, müssen sie in der Nährwerttabelle den konkreten Ballaststoffgehalt angeben. Wird das Wort "Ballaststoffquelle" benutzt, müssen mindestens 3 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm, bzw. 1,5 Gramm pro 100 Kilokalorien (kcal) enthalten sein. Bei der Angabe "Hoher Ballaststoffgehalt" muss das Lebensmittel mindestens 6 Gramm Ballaststoffe in 100 Gramm, bzw. 3 Gramm pro 100 kcal aufweisen. Diese sogenannten nährwertbezogenen Angaben sind in der Health-Claims-Verordnung geregelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen.

Reichlich Ballaststoffe zu sich zu nehmen, trägt zu einer gesunden Darmflora bei und hilft, Darmträgheit zu vermeiden. Dazu sind jedoch weder "Präbiotika‟ noch zugesetzte Ballaststoffe erforderlich. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln, wie Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten, liefert vielfältige Ballaststoffe und ist daher wirkungsvoller als ein einzelnes Lebensmittel mit zugesetztem Inulin oder Oligofruktose. Zusätzlichen Schwung gibt dem Darm ausreichend Bewegung.