Steigende Lebensmittelpreise: Fakten, Ursachen, Tipps

Stand:
Seit Monaten steigen die Preise für Lebensmittel. Wir beleuchten die Fakten, Hintergründe und Ursachen, beantworten Fragen und geben Tipps für den Einkauf!
Jemand mit Gemüse im Warenkorb und Taschenrechner
On

Wie hoch ist der Preisanstieg wirklich?

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind Nahrungsmittel teurer geworden (Verbraucherpreisindex für Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, die als repräsentativ für den "durchschnittlichen privaten Haushalt" angesehen werden) und zwar in allen Lebensmittelgruppen. In den vergangenen 20 Jahren waren die Lebensmittelpreise deutlich weniger angestiegen als andere Lebenshaltungskosten. Lag die Teuerung zwischen 2000 und 2019 durchschnittlich noch knapp unter 1,5 Prozent, liegt der Preisanstieg von Juli 2021 zu Juli 2022 bei 14,8 Prozent.

Damit hat sich der Preisauftrieb erneut deutlich verstärkt. In den vergangenen 20 Jahren waren die Lebensmittelpreise deutlich weniger angestiegen als andere Lebenshaltungskosten.

Preiserhöhungen gibt es nun bei allen Nahrungsmittelgruppen. Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+38,7 %), Fleisch und Fleischwaren (+16,5 %), ebenso Molkereiprodukte und Eier (+13,1 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+10,8 %). Genaue Prognosen sind nicht einfach, aber die Preise werden vermutlich erst mal hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen.

Sorgt nur der Krieg gegen die Ukraine für höhere Preise?

Viele Faktoren verändern die Situation in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Die Kosten für Energie, Düngemittel und Futtermittel sind stark gestiegen, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten. Bereits im Juli 2021 setzte der erste Preisschub bei Lebensmitteln ein, der sich bis heute Monat für Monat fortsetzt.

Wie stark aktuell die Energie- und Nahrungsmittelpreise Einfluss auf die Gesamtteuerungsrate nehmen, zeigt sich an der Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie liegt bei +3,2 % und damit nicht einmal halb so hoch wie die Gesamtinflationsrate.

Die Teuerung bei Nahrungsmitteln seit April 2022 liegt höher als die allgemeine Inflationsrate – im Juli liegt sie inzwischen doppelt so hoch (vgl. Grafik).

Nicht alle Preissteigerungen sind transparent und basieren auf höheren Herstellungskosten. Denn es wird zwar vor allem mit Energierohstoffen wie Erdöl und Gas an den Börsen spekuliert, aber auch mit Nahrungsmitteln wie etwa Weizen, Butter und Pflanzenölen.

Ein kritischer Blick der Politik und des Kartellamtes auf die Handelsunternehmen und einen Teil der Lebensmittelhersteller wäre nötig, um zu prüfen, ob einige die Gunst der Stunde nutzen, um die eigenen Erträge zu verbessern.

Die Verbraucherzentrale NRW hat die politisch Verantwortlichen sowie die Kartellbehörden aufgefordert, hier einmal genauer hinzusehen, und weitere Forderungen erhoben.

Werden Mehl und Brot knapp?

In Deutschland besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Die Ukraine und Russland sind zwar wichtige Weizenproduzenten, aber Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Getreideproduzent in der Europäischen Union und importiert kein Brotgetreide.

Hamsterkäufe sind vor diesem Hintergrund also nicht nur unnötig, sondern sie verschärfen die Lage zusätzlich. Dass manche Supermarktregale kurzfristig leer bleiben, hängt von einer stark gestiegenen Nachfrage - wie etwa bei Mehl - ab, die nicht schnell genug bedient werden kann. Wegen der hohen Preise beim Futtergetreide steigen aber u.a. die Preise bei tierischen Lebensmitteln.

Die Preise von Mehl, Brot und Backwaren sind allerdings bereits gestiegen und werden vermutlich erst einmal hoch bleiben bzw. noch weiter steigen, weil die deutschen Getreidepreise sich am Weltmarkt orientieren. Länder, die sonst viel Weizen aus der Ukraine und Russland importieren, werden ihren Bedarf stärker auf dem Weltmarkt decken müssen.

China hortet derzeit rund die Hälfte der globalen Lagerbestände an Weizen. Und Indien, eines der weltweit größten Anbauländer von Weizen, hat im Mai den Export des Getreides gestoppt. Der Grund für diese Entscheidung ist die Sicherstellung des eigenen Bedarfs. Das Land leidet seit Wochen unter massiven Hitzewellen, welche u.a. die Ernteerträge niedriger ausfallen lassen. All diese Faktoren führen insgesamt zu Verwerfungen und höheren Preisen auf dem Weltmarkt.

Nachdem nun die russische Hafenblockade von Odessa und einigen anderen ukrainischen Schwarzmeerhäfen für Getreideexporte aufgehoben wurde, ist der Weizenpreis erst mal gesunken. Ob der Trend nach unten bleiben wird, ist wegen der aktuellen Hitzewelle  in der EU sowie erwarteten Hitzewellen in den USA und Kanada noch unklar. Solche Wetterextreme werden wegen des Klimawandels immer häufiger. Global gesehen sinken die Nahrungsmittelpreise seit Ende Mai 2022  – sie sind allerdings immer noch deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Zudem sind die Auswirkungen stark angestiegener Düngerpreise laut Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen noch gar nicht in den aktuellen Getreidepreisen berücksichtigt .

Gibt es Engpässe bei Speiseölen?

Bei Speiseölen ist Deutschland auf Importe aus dem Ausland angewiesen, aber es gibt ein großes Angebot aus anderen EU-Staaten, Osteuropa, Kanada und den USA.

Allerdings gab es bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine Probleme, die sich weltweit ausgewirkt haben: Ernteausfälle in Kanada und Südamerika wegen extremer Hitzewellen, die gestiegene Nachfrage nach Biodiesel als Kraftstoff oder höhere Preise für Energie und Düngemittel. Zudem wird die Preisbildung in der EU und in Deutschland von den internationalen Märkten beeinflusst: Raps ist einer der weltweit am meisten gehandelten Rohstoffen.

Der Krieg gegen die Ukraine verschärft jetzt die schon angespannte Lage. Die Ukraine und Russland produzieren gemeinsam mehr als drei Viertel der weltweiten Sonnenblumen – die Ukraine allein rund die Hälfte. Wegen des Krieges gibt es kurzfristig Lieferengpässe bei Sonnenblumenöl.

In Deutschland können Verbraucher:innen allerdings problemlos auf andere Speiseöle zurückgreifen. Dazu zählen z.B. raffiniertes Rapsöl und Olivenöl zum Braten, bei denen keine Engpässe zu erwarten sind.

Vor diesem Hintergrund sind auch hier Hamsterkäufen nicht notwendig. Sie erzeugen außerdem künstliche Engpässe, weil die Lieferketten und Ölmühlen nicht in der Lage sind, auf kurzfristig stark steigende Nachfragen angemessen zu reagieren.

Wie wichtig wäre Unterstützung für Geringverdiener?

Mit durchschnittlich zwölf Prozent machen die Kosten für Lebensmittel im Haushaltsbudget der Verbraucher:innen bisher nur einen verhältnismäßig geringen Anteil aus.

Für Menschen mit geringen Einkommen sind die Preissteigerungen zu einem Problem geworden. Der Hartz-IV-Satz für Lebensmittel liegt pro Tag bspw. bei etwa 5,20 Euro – das reicht nicht für eine gesunde Ernährung.

Da die Lebensmittelpreise seit dem Sommer 2021 stark ansteigen und Handel und Ernährungsindustrie weitere Preissteigerungen angekündigt haben, ist es aus Sicht der Verbraucherzentralen höchste Zeit für politisches Handeln, um Menschen mit geringen Einkommen zu unterstützen. Immerhin 16 Prozent der Menschen in Deutschland gelten laut Paritätischem Wohlfahrtsverband als arm. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb:

  • eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze, so dass auch bei hohen Lebensmittelpreisen eine gesunde Ernährung möglich ist,
  • Sonderzahlungen für Personen mit niedrigem Einkommen, niedriger Rente und Bezieher:innen von Grundsicherung,
  • eine Beitragsreduzierung für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Hochschulen oder für Geringverdiener in Unternehmen, öffentlichem Dienst und sozialen Einrichtungen,
  • eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten,
  • eine Unterstützung der Einrichtungen, die Mahlzeiten für Obdachlose anbieten.

Welche Tipps gibt es für den Einkauf bei steigenden Lebensmittelpreisen?

Preisfallen bei Gemüse und Obst erkennen und umgehen: Dafür immer die Kilopreise vergleichen! Zudem spielen auch Herkunft und Jahreszeit eine wichtige Rolle. Gemüse, das Saison hat und in der Region wächst, ist in der Regel günstiger zu haben, weil es nicht weit transportiert und aufwändig gekühlt werden muss. Derzeit sind zum Beispiel Gurken, Tomaten, Blumenkohl, Porree, grüne Bohnen, Zucchini, Kohlrabi, Mangold, verschiedene Kohl- und Salatsorten günstiger, sowie Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Pfirsiche und Aprikosen. In August werden auch reife Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, Kirschen, Pflaumen und Mirabellen zu finden sein. Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt kann zudem günstiger sein als im Supermarkt, vor allem kurz vor Ende des Markttages. Und wer saisonales Freilandgemüse kauft statt aus dem Gewächshaus, hilft auch der Umwelt. Orientierung bietet hier der Saisonkalender der Verbraucherzentrale NRW

Ausweg aus dem Butter-„Preis-Schock“: Die Butterpreise haben seit März deutlich angezogen und liegen derzeit teilweise bei drei Euro pro 250 Gramm. Für eine gesunde Ernährung ist Butter nicht vorrangig, denn sie enthält als tierisches Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren. Gesünder sind ungesättigte Fettsäuren. Diese findet man in Pflanzenölen wie zum Beispiel Olivenöl, Leinöl oder Sojaöl und auch in bestimmten Margarine-Sorten. Hier kann man die konkreten Nährwerte und Fettsäuren auf den Verpackungen und natürlich die Preise vergleichen. Und leckerer Butter-Ersatz fürs Brot sind auch Frischkäse, Aufstriche, Olivenöl oder Nuss-Öle.

Fleisch öfters pflanzlich ersetzen: Stark gestiegen sind die Preise unter anderem bei Rindfleisch und Hack. Die Verbraucherzentrale NRW rät, bei Bedarf den Anteil von Fleisch, Wurst und Fisch durch pflanzliche Lebensmitteln zu ersetzen. Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Sojabohnen und Lupinen sind sehr gute Alternative: Sie sind wertvolle Quellen für Eiweiß, Eisen, B-Vitamine und Ballaststoffe und zudem günstig. Fleisch-Ersatzprodukte sind nicht die erste Wahl, weil sie oft viele Zusatzstoffe enthalten und bei höherer Verarbeitung teurer sind. Reis, Couscous, Bulgur oder auch Nudeln liefern Kohlenhydrate und somit Energie. Als Vollkornvariante sind sie besonders reich an Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren.

Mit Einkaufsliste einkaufen gehen: Es lohnt sich, einen Essensplan für die Woche oder zumindest den nächsten Tagen aufzustellen und damit geplant einzukaufen. Ein solcher Einkaufszettel reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die eigenen Vorräte und die Reste im Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Es kann auch helfen, vorab ein Maximalbudget für den Einkauf festzulegen.

Selber kochen: Selbst zu kochen ist meistens unschlagbar günstiger als Fertiggerichte, Lieferdienste oder To-go-Käufe  (auch hier: Wenn möglich, einfach die Kilopreise vergleichen! Das geht vor allem, wenn man Fertiggerichte im Supermarkt einkauft). Und so hat man auch selbst in der Hand, was auf dem Teller ist. Ebenso gehen kleine Snacks unterwegs ins Geld. Wer sich eine Brotzeit schmiert und den Kaffee im eigenen Thermobecher mitnimmt, kann damit Geld und Verpackungsmüll sparen.

Weitere Spartipps von der Lagerung bis zum Selbstanbau: Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, werden meist in Supermärkten oder Discountern reduziert angeboten. Ebenso sollten übermäßige Lebensmittelabfälle vermieden werden: Speisereste kann man mit cleveren Rezepten weiterverwenden. Lebensmittel sollten zudem zu Hause richtig gelagert werden, damit sie sich möglichst lange halten. Auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich billiger als Softdrinks. Leitungswasser ist zudem besonders umweltschonend und kann geschmacklich mit einem Spritzer Zitrone oder ähnlichem aufgepeppt werden. Und wer einen Garten oder Balkon und einen grünen Daumen hat, kann Kräuter, Gemüse und Obst auch selbst anbauen.