Unter Berücksichtigung der gültigen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sind alle Beratungsstellen weiterhin telefonisch erreichbar und organisieren eine Beratung für Sie. (HRO 0381 / 208 70 50, SN 0385 / 591 81 10 und NB 0395 / 568 34 10). Nutzen Sie auch den Weg über unsere sichere E-Mail-Beratung.

Niacin - warum ergänzen?

Stand:

In Nahrungsergänzungsmitteln ist Niacin (Vitamin B3) häufig zu finden - teilweise in sehr hoher Dosierung.

Das Wichtigste in Kürze:
Aud die Dosis kommt es an!

  • Niacin wird für zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper benötigt.
  • Ein Niacin-Mangel ist bei gesunden Personen, die sich abwechslungsreich ernähren, selten
  • Achtung: Zu hohe Dosierungen können zu Hautrötungen, Hitzegefühl, Durchfall, Erbrechen und sogar Leberschädigungen führen
  • Niacin bietet keinen Schutz gegen das Coronavirus SARS-CoV-2
Niacin (Vitamin B3)
On

Was steckt hinter der Werbung zu Niacin?

Niacin, auch Vitamin B3 genannt, soll laut Werbung die Gesundheit des Herzens unterstützen, den Cholesterinspiegel senken, die mentale Energie, Motivation, gute Laune und Konzentration fördern sowie für gesunde, schöne Haut und Haare sorgen. Doch die meisten dieser Werbeversprechen sind wissenschaftlich nicht gesichert.

Von der EU-Kommission sind nach Prüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) folgende gesundheitsbezogene Angaben zugelassen:

  • Niacin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Niacin trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Niacin trägt zur normalen psychischen Funktion bei
  • Niacin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei
  • Niacin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • Niacin trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei

Die Zufuhrmenge wird bei der in Deutschland üblichen Ernährung erreicht bzw. überschritten und eine zusätzliche Ergänzung bringt in der Regel keine gesundheitlichen Vorteile.

Nicotinsäure, eine andere Form dieses Vitamins, wird auch zur Behandlung bestimmter Störungen des Fett- bzw. Cholesterinstoffwechsels eingesetzt. Dabei handelt es sich aber um Medikamente, nicht um Nahrungsergänzungsmittel, und die therapeutische Einnahme solcher Medikamente sollte von einem Arzt begleitet sein.

Einige - meist im Internet angepriesene - Produkte sollen in Form einer Kur über 6 Wochen eingesetzt werden, um den Körper zu "reinigen". Für gesundheitliche Vorteile einer solchen Kur gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte. Im Gegenteil: Die für eine Kur empfohlene Tagesdosis zwischen 100 mg und 5000 mg Nikotinsäure stellt nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ein gesundheitliches Risiko dar.

B3 schützt nicht vor einer COVID19-Erkrankung

Anfang April hat das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, eine bundesweite Studie zur Behandlung von COVID-19-Erkrankungen mit hoch dosiertem Vitamin B3 (Niacin) gestartet. Dabei soll erforscht werden, ob sich beim Menschen durch die Vitamingabe schwere Erkrankungsverläufe abmildern lassen. Das bedeutet nicht, dass man damit einer Ansteckung vorbeugen könnte.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Niacin achten?

Niacin gibt es in zwei Formen, als Nicotinamid (Niacinamid) und als Nicotinsäure. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt in Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr als 4 mg Nicotinsäure oder 160 mg Nicotinamid pro Tag. Nahrungsergänzungsmittel mit einer Tagesdosis von mehr als 16 mg Nicotinamid sollten einen Hinweis tragen, dass das Produkt für Schwangere nicht geeignet ist.

Zu hohe Dosierungen von Nicotinsäure (Tagesdosen von über 30 mg) können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Häufige Überdosierungserscheinungen sind sogenannte "Flush Symptome". Dazu gehören Hautrötungen, Hitzegefühl „Hot Flash“ sowie Nesselsucht mit stark juckenden Quaddeln.

Achtung: Derartige Symptome sind unabhängig von der Dosierung kein Zeichen der Wirksamkeit, wie manche Verkäufer behaupten, sondern ein Warnsignal, die Produkteinnahme sofort zu beenden.

Bei sehr hohen Dosierungen von mehreren Gramm Nicotinsäure kann es zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kommen. Langfristige Folgen sind im schlimmsten Fall sogar Gelbsucht, die Schädigung der Leber oder Probleme mit dem Glukose-Stoffwechsel. Auch schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung (Niacin-induzierte Makulopathie), Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte als (reversible) Folge sind bekannt. Deshalb sollte laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Gesamtzufuhr an Nicotinsäure 10 mg täglich nicht überschreiten. Nahrungsergänzungsmittel mit Verzehrsempfehlungen bis hin zu mehreren Gramm pro Tag betrachten die Verbraucherzentralen und das BfR als nicht sichere - und somit nicht verkaufsfähige - Lebensmittel.

Herkömmliche Lebensmittel mit natürlichem Vitamin B3-Gehalt bergen nicht das Risiko einer Überdosierung an Niacin. Problematisch sind auch Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. mit oralen Antidiabetika oder gerinnungshemmenden Arzneimitteln). Daher sollten Sie zumindest bei Einnahme von Medikamenten die Verwendung von niacinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln immer zuvor mit Ihrem Arzt absprechen.

Wofür braucht der Körper Niacin?

Niacin umfasst verschiedene wasserlösliche Verbindungen mit ähnlicher chemischer Struktur, darunter Nicotinsäure und Nicotinamid. Der Körper kann Niacin aus der Aminosäure Tryptophan, einem Eiweißbaustein, selbst bilden.

Niacin ist für viele Vorgänge im Körper unerlässlich. Neben dem Auf- und Abbau von Kohlenhydraten, Aminosäuren und Fettsäuren ist Niacin ebenfalls an der Zellteilung und der Signalweiterleitung beteiligt. Auch für die Funktion des Immunsystems spielt Niacin eine Rolle.

Kann ich meinen Tagesbedarf an Niacin über die Nahrung decken?

Obwohl Niacin vom menschlichen Körper selbst produziert werden kann, muss das Vitamin für die Deckung des Tagesbedarfes mit der Nahrung aufgenommen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 11-17 mg Niacin-Äquivalenten. Das umfasst neben Niacin selbst auch Verbindungen wie Tryptophan, die der Körper in der Leber zu Niacin umwandeln kann.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene tägliche Zufuhr an Niacin wird in der Regel erreicht und sogar überschritten. Ein Niacin-Mangel kommt in Deutschland eigentlich nur als Folge von Krankheiten wie Alkoholismus, Magersucht, bei chronischem Durchfall oder Leberzirrhose vor. Eine Nahrungsergänzung ist deshalb meist unnötig.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene tägliche Zufuhr an Niacin wird in der Regel erreicht und sogar überschritten. Ein Niacin-Mangel kommt in Deutschland eigentlich nur als Folge von Krankheiten wie Alkoholismus, Magersucht, chronischer Durchfall oder Leberzirrhose vor. Eine Nahrungsergänzung ist deshalb meist unnötig.

Niacin ist in Lebensmitteln relativ unempfindlich gegenüber Hitze und längerer Lagerung. Da das Vitamin jedoch beim Kochen ins Wasser übergeht, empfehlen wir, das Kochwasser weiterzuverwenden.

Diese Vitaminverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 26.07.2017) für Niacin in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • Nicotinsäure
  • Nicotinamid
  • Inosithexanicotinat (Inositolniacinat)

Zwei weitere Vitaminverbindungen befinden sich derzeit im Zulassungsverfahren als neuartige Lebensmittelzutat. 


 

Quellen:


Weißenborn A. et al. (2018): Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Journal of Consumer Protection and Food Safety 13: 25–39

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) / Die Einnahme von Nicotinsäure in überhöhter Dosierung kann die Gesundheit schädigen. Stellungnahme Nr. 018/2012 des BfR vom 06. Februar 2012. Zugriff 21.04.2020

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Niacin. Stand 2015, Zugriff 21.04.2020

Hahn, A./Ströhle, A./Wolters, M. Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2. Auflage (2006) Max-Rubner-Institut. Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. (2008) Zugriff 21.04.2020

EFSA (2014): Scientific opinion for dietary reference value on Niacin. EFSA Journal (12) 7: 3759 Zugriff 21.04.2020

Pressemeldung des Uniklinikums Schleswig-Holstein vom 31.03.2020: UKSH startet bundesweite Ernährungsstudie zur Verbesserung des Verlaufs von COVID-19

LEE JG et al. (2019): Optical Coherence Tomography, Fluorescein Angiography, and Electroretinography Features of Niacin Maculopathy: New Insight Into Pathogenesis. Journal of Vitreo Retinal Diseases 3 (6)

EFSA (2019): Safety of nicotinamide riboside chloride as a novel foodpursuant to Regulation (EU) 2015/2283 and bioavailability of nicotinamide from this source, in the context of Directive2002/46/EC

EFSA (2017): Safety of 1-methylnicotinamide chloride (1-MNA) as a novelfood pursuant to Regulation (EC) No 258/97