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Vertrauen in Riester-Renten sinkt - wann ein Einstieg dennoch lohnt

Stand:

Bereits seit Jahren stagnieren die Abschlüsse neuer Riester-Renten-Verträge, rund ein fünftel sind ruhend gestellt. Niedrige Zinsen verschärfen das Problem mit teuren Versicherungsverträgen zusätzlich.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sparer ziehen sich insbesondere aus Riester-Versicherungen zurück.
  • Solche Verträge sind oft teuer - und mit den niedrigen Zinsen sinken die Erträge zusätzlich.
  • Wir zeigen, für wen sich welches Produkt lohnt und worauf Sie achten sollten.
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Vor einigen Jahren gab es um ersten Mal das Szenario, dass sich mehr Deutsche komplett aus einem Riester-Produkt zurückgezogen haben als neue Verträge abgeschlossen wurden: Im ersten Quartal des Jahres 2016 gab es laut Bundessozialministerium noch etwas mehr als 16,4 Millionen Riester-Verträge. Und rund ein Fünftel der bestehenden Verträge sei ruhend gestellt, so das Ministerium - auch wer nicht kündigt, zahlt also oft zumindest keine Beiträge mehr ein.

Den größten Rückgang gibt es bei den Versicherungsverträgen. Hier kommen zum gesunkenen Vertrauen zwei Probleme hinzu:

  • Versicherungsvarianten haben viele Anbieter mit hohen Kosten für Abschluss und Verwaltung angeboten - damit fließt ohnehin ein beachtlicher Teil der staatlichen Förderung oft nicht in den Sparvertrag, sondern geht gleich an den Versicherer.
  • Zusätzlich schwindet mit der derzeitigen Niedrigzinsphase nun der langfristige Ertrag. Angesparte Beträge wachsen dadurch kaum noch. Dabei wäre genau das bei Riester-Verträgen mit Laufzeiten von teilweise mehr als 30 Jahren ein wichtiger Faktor.

Riester gibt es nicht nur als Versicherung

Am häufigsten angeboten und auch abgeschlossen werden Riester-Rentenversicherungen. Aufgrund des umgangssprachlichen Begriffs "Riester-Rente" glauben Laien oftmals, es gäbe nichts anderes. Doch eine Rentenversicherung ist nicht die einzige Möglichkeit. Daneben gibt es im Bereich der Altersvorsorge per Rente:

Einen Überblick über alle Produkte und detailliertere Hinweise zu deren Vor- und Nachteilen finden Sie in unserem Themenpaket zu Riester.

Lange Vertragslaufzeiten und wenig flexibel

Einige Anleger suchen wegen der Zins-Situation chancenorientierte Anlageformen, auch ohne den Staat, beobachtet Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale. "Das Riester-System ist zudem sehr komplex und das Kapital nicht frei verfügbar." Wird in der Arbeitswelt zunehmend Flexibilität gefordert, tue sich staatliche Förderung wie Riester schwer damit, etwa auf Jobwechsel und Zeiten der Arbeitslosigkeit zu reagieren. "Wer kann bei einer Vertragslaufzeit von bis zu 40 Jahren heute noch absehen, was alles passieren wird?"

Wer dauerhaft geringfügig beschäftigt ist, wird im Alter auch nur eine geringe gesetzliche Rente erhalten, die unter Umständen unterhalb der so genannten Grundsicherung liegt. Zusätzliche Vorsorge, auch die Riester-Rente, wird dann angerechnet. Seit dem Jahr 2018 gibt es hier aber einen Freibetrag. Dieser beträgt 100 Euro plus 30 Prozent der darüber betragenden Zusatzrente, jedoch maximal die Hälfte des Regelbedarfs für Alleinstehende (208,00 Euro im Jahr 2018). Voraussetzung: Die Verträge sehen eine lebenslange Rentenzahlung vor und keine Kapitalauszahlung bei Renteneintritt.

Ein weiteres Problem ist die Inflation. Die Anbieter von Riesterverträgen müssen zwar garantieren, dass die geförderten Beiträge und die Zulagen ohne Verluste für eine Rente zur Verfügung stehen. Entscheidend ist aber nicht, dass der eine Euro, den Sie heute einzahlen, in 40 Jahren noch da ist. Stattdessen kommt es darauf an, was Sie sich für eine spätere Rente aus der privaten Altersvorsorge kaufen können. Der Kaufkraftverlust Ihrer Sparbeiträge aufgrund von Preissteigerungen ist bei solchen Garantien komplett ausgeblendet. Eine solche Garantie erweckt den Anschein einer Sicherheit, die sie allerdings nicht bieten kann. So führt beispielsweise bereits eine Inflationsrate von 1,75 Prozent dazu, dass die nominale Kapitalerhaltsgarantie eines Anlagebetrages nach 40 Jahre faktisch einer Halbierung der Kaufkraft des Anlagebetrages gleichkommt.

Für wen sich Riester besonders lohnt

Dennoch gibt es Personengruppen, für die sich Riester besonders lohnen kann (eine vernünftige Kostenstruktur im Vertrag vorausgesetzt):

  • Junge, verheiratete Menschen mit geringem Einkommen und / oder vielen Kindern profitieren von einer hohen staatlichen Förderung.
  • Gut verdienende Singles dagegen kommen vor allem mit Steuervorteilen zum Zuge. Bei 52.500 Euro Jahresbrutto lassen sich diese voll ausschöpfen.
  • Zudem gehen immer mehr Menschen in Wohnriester-Verträge. Hier zahlt man seine Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie ab und sieht monatlich die Schulden sinken.

Es gibt keine Kapitalanlage ohne Risiko. Setzen Sie darum am besten auf mehrere verschiedene. Durch die Streuung der Risiken auf unterschiedliche Anlageklassen und auf noch mehr verschiedene Herausgeber von Anlageinstrumenten können Sie Ihre Risiken reduzieren. Nur eine sehr breite Streuung schließt langfristig auch real Wertverluste aus.

Wir raten, auch über Alternativen wie den Einstieg in Aktienfonds nachzudenken. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) machen das für Privatanleger einfacher und günstiger. Im Jahr 2000 sind sie in Deutschland eingeführt worden, mittlerweile gibt es Hunderte davon am Markt. ETFs verringern aus unserer Sicht die Risiken des Aktiengeschäfts, bieten bei langen Laufzeiten aber eine gute Chance auf eine vernünftige Rendite.

Angebote von mehreren Anbietern vergleichen

Die Riester-Produkte haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Grundsätzlich jedoch empfiehlt es sich, vor einer Entscheidung folgende Aspekte zu beachten:

  • Wählen Sie keinen Vertrag der zu hohe Kosten hat! Die staatliche Förderung landet sonst beim Anbieter und nicht auf Ihrem Sparvertrag.
  • Vergleichen Sie bei mehreren Angeboten die von den Anbietern versprochenen Leistungen:
    1. bei Riester-Rentenversicherungen die ausgewiesene garantierte Rente. Denn allein auf diese haben Sie in der Rentenphase auch tatsächlich einen Anspruch.
    2. bei Riester-Banksparplänen die ausgewiesene Erwartungsrendite.
  • Bei Riester-Fondssparplänen sollten Sie unbedingt intransparente Strukturen meiden. Das gilt auch für Sparpläne, bei denen statt Ausgabeaufschlägen Abschlusskosten vorgesehen sind und diese bereits in der ersten 5 Jahren komplett für die gesamte Laufzeit bezahlt werden müssen.
  • Ziehen Sie den Abschluss eines Riester-Bausparvertrags nur dann in Erwägung, wenn Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mittelfristig den Immobilienerwerb anstreben!

Riester-Verträge haben immer Vor- und Nachteile

Das Riester-Modell steckt voller komplexer gesetzlicher Regeln und bietet eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Möglichkeiten, fürs Alter vorzusorgen. Wer erwägt, den langfristigen Vertrag, der im Idealfall bis zum Lebensende Bestand hat, abzuschließen, der sollte sich daher zuvor intensiv mit den Bedingungen und verschiedenen Produkten auseinandersetzen.

Im Jahr 2002 wurde das Rentenniveau abgesenkt. Seither ist die Rentenlücke aufgrund weiterer staatlicher Eingriffe in die gesetzliche Rentenversicherung größer geworden. Deshalb ist es ratsam, die Überlegungen zum Abschluss einer Riester-Rente zum Anlass zu nehmen, sich eingehend mit der gesamten Vorsorge für seinen Ruhestand zu beschäftigen.

Die Frage, ob am Ende ein Riester-Vertrag Teil der individuellen Altersvorsorge ist, lässt sich nicht einfach pauschal mit "ja" oder "nein" beantworten. Riester hat grundsätzliche Vor- und Nachteile:

  • Garantie des eingezahlten Kapitals
    Vorteil: Die Summe der eingezahlten Beiträge sowie der erhaltenen Zulagen ist zum Zeitpunkt des Rentenbeginns garantiert.
    Nachteil: Während der Ansparphase sind zwischenzeitliche Verluste denkbar. Ausnahme: Banksparplan

  • Schutz des Kapitals vor Pfändung und vor der Anrechnung bei "Hartz IV"
    Vorteil:Bis zu den Höchstgrenzen ist das Kapital in der Ansparphase vor Pfändung und vor der Anrechnung als Vermögen durch den Staat sicher.
    Nachteil: Dieser Schutz gilt nur für das Kapital in der Ansparphase - nicht  oder nur teilweise aber für die ausgezahlte Rente in der Leistungsphase.

  • Wechsel des Anbieters
    Vorteil: Ist möglich
    Nachteil: Verursacht Kosten, maximal 150 Euro

  • Kündigung
    Vorteil: Ist möglich
    Nachteil: Förderung muss zurückgezahlt werden.

  • Staatliche Förderung
    Vorteil: In der Ansparphase gibt es Zulagen und Steuervorteile.
    Nachteil: Die Rente in der Leistungsphase ist steuerpflichtig.

  • Sonderausgabenabzug,um mögliche Steuererstattung zu ermitteln
    Vorteil: Ist zusätzlich zur Zulage möglich - Steuererstattung hängt vom Einkommen ab.
    Nachteil: In der Regel nur für Gutverdiener relevant.

  • Lange Vertragslaufzeit
    Vorteil: Schafft Planungssicherheit
    Nachteil: Gesetzliche Rahmenbedingungen und private Lebensumstände können sich ändern.