Warum gibt es Wurst für Kinder?
Mit Comicfiguren, Tierbildern und auffälliger Verpackung locken Hersteller ihre kleinen Verbraucherinnen und Verbraucher. Besonders die eher mäkeligen Esser können von ihren Eltern so zum Probieren überredet werden. „Häufig entsteht dann eine Vorliebe für bestimmte Marken und die Kleinen fordern bald regelmäßig ihre Lieblinge ein“ sagt Simone Goetz von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.
Warum ein Marktcheck?
Produkte in Kinderoptik enthalten oft reichlich Zucker, Fett und Salz, wie in Marktchecks der Verbraucherzentralen immer wieder festgestellt wurde. Der Preis, den Hersteller selbstverständlich mit einer besonderen Qualität und Eignung für Kinder begründen, ist meist höher als bei Produkten ohne eine kindgerechte Verpackung.
Produkte, die aufgrund ihrer Aufmachung an Kinder gerichtet sind, sollten eine entsprechende Zusammensetzung aufweisen. Deshalb wurde im Marktcheck der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern zu Wurstwaren in Kinderoptik besonders auf den Salzgehalt geschaut. Es wurden 22 Produkte aus dem Einzelhandel unter die Lupe genommen, davon 20 Wurstwaren und zwei vegane Ersatzprodukte.
Warum gerade Salz?
„Uns ist aufgefallen, dass viele Eltern besonders aufmerksam die Zuckergehalte von Kinderlebensmitteln im Auge behalten. Der Salzgehalt dagegen wird oft nicht beachtet.“ berichtet Simone Goetz von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass Kinder, je nach Alter, maximal drei bis sechs Gramm, jüngere Kinder nur unter drei Gramm verzehren sollten – mit allen Lebensmitteln des Tages. Laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2023 sollten Wurstwaren für Kinder nur 1,25 Gramm Salz (das entspricht 0,5 Gramm Natrium) in 100 Gramm enthalten. Wie sieht die Realität aus?
Was steckt eigentlich in den bunten Wurstverpackungen?
Am Produktnamen können Eltern oft nicht erkennen, um was es sich handelt. Unklar blieben im Marktcheck häufig die Wurstsorte oder ob in Produkten mit dem Namen „Streich“ Leber verwendet wurde.
Die Bezeichnung, meist auf der Rückseite, sollte das Produkt aussagefähig beschreiben, aber auch hier blieben noch Fragen offen. Sechsmal wurde nicht klar, dass Schweinefleisch verarbeitet wurde. Das ist kein rechtlicher Verstoß, die Angabe würde aber die Orientierung beim Einkauf erleichtern.
Nur einmal war bei den sechs Salami-Produkten erkennbar, dass es sich um eine Rohwurst handelt. Streichfähige, schnellgereifte Rohwürste werden für Kinder unter fünf Jahren aber nicht empfohlen, da sie bei empfindlichen Personen die Ursache für Lebensmittelinfektionen sein können.
Wie wurde gesalzen?
Die Salzgehalte lagen, bis auf bei den beiden veganen Alternativen, alle über den WHO-Empfehlungen für Wurstwaren in Kinderoptik. Elf Produkte enthielten deutlich über 1,25 Gramm. Fünf Produkte, alles Salami, lagen sogar über dem doppelten Wert von 2,5 Gramm. Drei Produkte wiesen einen deutlich zu hohen Salzgehalt von vier bis 4,5 Gramm auf. Eine Eignung für Kinder ist hier zweifelhaft.
Die Verwendung von Jodsalz bei der Herstellung von Lebensmitteln stellt einen wichtigen Beitrag zur Jodversorgung dar. Leider enthielten nur zwölf der 22 Produkte jodiertes Speisesalz.
Wie viel Salz essen die Kleinen mit einer Portion?
Bei den zehn Salami-, Fleisch- und Bockwürstchen im Marktcheck könnte ein Würstchen davon als eine Portion angesehen werden. Die Portionsgrößen lagen allerdings zwischen 4,4 und 30 Gramm. Ein einzelnes 30-Gramm-Würstchen aus dem Marktcheck lieferte schon ungefähr 0,7 Gramm Salz!
Die meisten Schnittwürste wiesen kleine und damit kindgerechte Scheiben auf. Werden sie einzeln auf Brotscheiben gelegt oder wird Streichwurst als Brotaufstrich dünn aufgetragen, dann ist die aufgenommene Salzmenge nicht groß.
Welche Werbestrategien wurden entdeckt?
Alle Wurstwaren trugen Bilder von fröhlichen Kindern, Tieren oder Phantasiewesen und meist ein Tier als besondere Identifikationsfigur, häufig mit dem Produkt in dessen Pfoten. Kinder verbinden häufig die Eigenschaften dieser Tiere mit dem Produkt. Sie können die Wurstwaren beim nächsten Einkauf wiederfinden und beeinflussen die erwachsenen Käuferinnen und Käufer.
Die Produkte enthielten achtmal zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe. Für die erwachsenen Käuferinnen und Käufer wurde auf der Verpackung mit zugelassenen Gesundheitsaussagen geworben, den sogenannten Health Claims.
Unser Tipp:
Achten Sie immer auf den Salzgehalt von Kinderprodukten. Die Nährwerttabelle gibt Ihnen diese wichtige Information.
Bieten Sie Kindern immer Brot zu Wurstwaren an. Sonst bleibt es bei den kleinen, aber besonders salzreichen, Würstchen oft nicht bei einem Stück.
Kinder sollten ihren Bedarf an Vitaminen nicht durch Anreicherungen in Wurstwaren decken, sondern vor allem durch Obst, Gemüse, Nüsse, Vollkorn- und Milchprodukte.
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Simone Goetz
Fachbereich Lebensmittel und Ernährung