Das Wichtigste in Kürze:
- Wurstwaren in Kinderoptik weisen, gerade bei Salami (-Würstchen), einen höheren Salzgehalt auf, als man vermuten könnte.
- Die Salzgehalte unterscheiden sich stark, deshalb ist der Blick auf die Nährwerttabelle wichtig. Auch der Einsatz von Jodsalz ist nicht selbstverständlich.
- Woraus Wurstwaren für Kinder bestehen, ist oft erst mit Hilfe der Zutatenliste zu entschlüsseln. Die wichtige Angabe „Rohwurst“ fehlt fast immer.
- Auch wenn die Werbung auf der Verpackung eine besondere Natürlichkeit verspricht – auch Kinderprodukte enthalten Zusatzstoffe.
WAS WOLLTEN WIR WISSEN?
In unserem Marktcheck wollten wir Wurstwaren erfassen, die sich in ihrer Gestaltung an Kinder richten, also beispielsweise Abbildungen von Kindern, Phantasiewesen oder Tieren aufweisen.
Kinderprodukte sollten eine kindgerechte Zusammensetzung aufweisen und sich an dem Nährwertprofil-Modell der WHO orientieren.
Ein Schwerpunkt des Marktchecks sollte der Salzgehalt sein. Während viele Eltern besonders aufmerksam die Zuckergehalte von Kinderlebensmitteln im Auge behalten, wird dieser oft nicht beachtet.
Wir haben uns diese Fragen gestellt:
- Welche Wurstwaren in Kinderoptik gibt es, wie sind sie gekennzeichnet und wie zusammengesetzt?
- Wie hoch ist der Salzgehalt, welche Salzmengen werden mit üblichen Kinderportionen verzehrt und wird jodiertes Speisesalz verwendet?
- Welche Werbestrategien werden bei Wurstwaren mit Kinderoptik genutzt?
Im nicht repräsentativen Marktcheck der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern wurden 22 Produkte in Kinderoptik unter die Lupe genommen, davon 20 Wurstwaren und zwei vegane Ersatzprodukte. Sie wurden vom 8. bis zum 26. Januar 2026 im stationären Handel erworben. Es handelte sich beispielsweise um Bockwürstchen, Salami, Mortadella und Fleischwurst, aber auch um Leberwürste und fleischhaltige Brotaufstriche.
Den ausführlichen Marktcheckbericht können Sie hier nachlesen: Link
WAS STECKT DRIN IN DEN KINDERWURSTWAREN?
Am Produktnamen können Eltern oft nicht erkennen, um was für ein Produkt es sich handelt. Unklar blieben häufig:
- die Wurstsorte,
- das verwendete Fleisch der verschiedenen Tierarten,
- die zu erwartende Zusammensetzung,
- ob im „Streich“ Leber verwendet wurde.
Die Bezeichnung sollte das Produkt aussagefähig beschreiben, aber:
Sechsmal wurde nicht klar, dass Schweinefleisch verarbeitet wurde. Das ist kein rechtlicher Verstoß, die Angabe würde aber die Orientierung beim Einkauf erleichtern.
Bei sieben Produkten musste die Zutatenliste herangezogen werden, um zu erfahren, ob es sich bei dem verwendeten Geflügel um Hähnchen oder Pute handelte.
Nur einmal war bei der Salami im Marktcheck (sechs Produkte) erkennbar, dass es sich um eine Rohwurst handelte.
Streichfähige, schnellgereifte Rohwürste werden für Kinder unter fünf Jahren nicht empfohlen.
WIE VIEL SALZ STECKT IN DER WURST FÜR DIE KLEINEN?
Die Salzgehalte der Wurstwaren lagen, bis auf bei den beiden veganen Alternativen, alle über den WHO-Empfehlungen für Wurstwaren in Kinderoptik.
Für die Speisesalzzufuhr gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Orientierungswert für Erwachsen von bis zu sechs Gramm am Tag. Kinder sollten, je nach Alter, maximal drei bis sechs Gramm, jüngere Kinder nur unter drei Gramm verzehren.
Wurstwaren für Kinder sollten laut WHO-Empfehlungen von 2023 nur 1,25 Gramm Salz (das entspricht 0,5 Gramm Natrium) in 100 Gramm enthalten.
- Elf Produkte überschritten diesen Wert deutlich.
- Fünf Produkte lagen sogar über dem doppelten Wert von 2,5 Gramm. Es handelte sich dabei jeweils um Salami (-Würstchen und –Schnittwurst).
- Drei Produkte wiesen einen deutlich zu hohen Salzgehalt von vier bis 4,5 Gramm auf.
Eine Eignung für Kinder ist hier zweifelhaft.

WIE VIEL SALZ ESSEN DIE KLEINEN MIT EINER PORTION?
Würstchen:
Bei den zehn Salami-, Fleisch- und Bockwürstchen im Marktcheck könnte ein Würstchen davon als eine Portion angesehen werden. Ein einzelnes 30-Gramm-Würstchen aus dem Marktcheck lieferte ungefähr 0,7 Gramm Salz. Die Portionsgrößen laut Hersteller lagen allerdings zwischen 4,4 und 30 Gramm. Eltern sollten besonders bei den großen Würstchen auf den Salzgehalt achten. Und: Am besten bieten Sie den Kindern Brot dazu an. Sonst bleibt es bei den kleinen, aber oft besonders salzreichen, Würstchen nicht bei einem Stück.

Schnitt- und Streichwürste:
Die meisten Schnittwürste wiesen kleine und damit kindgerechte Scheiben auf. Werden sie auf Brotscheiben gelegt oder wird Streichwurst als Brotaufstrich dünn aufgetragen, dann ist die aufgenommene Salzmenge nicht groß. Wir sind von einer für Kinder großen Portionsgröße von 25 Gramm ausgegangen. Hier lieferten die Produkte im Mittel etwas über ein halbes Gramm Salz. Die negativen „Spitzenreiter“, wieder die Salami, brachten es bis auf ein Gramm.
Damit wären schon ein Drittel der Salzmenge erreicht, die kleine Kinder am Tag nicht überschreiten sollten!
WIE WURDE DAS SALZ GEKENNZEICHNET?
In zwölf Produkten wurde jodiertes Speisesalz angegeben, in zehn ein unjodiertes Salz. Das Salz ohne Jod war unter den Bezeichnungen Speisesalz (achtmal), Salz, Meersalz und natürliches Mineralsalz zu finden.
Die Verwendung von Jodsalz bei der Herstellung von Lebensmitteln stellt einen wichtigen Beitrag zur Jodversorgung dar. Leider enthielten nur zwölf der 22 Produkte jodiertes Speisesalz.
Auch die Angabe für jodiertes Speisesalz wurde in der Zutatenliste unterschiedlich gewählt. Üblicherweise wird Jodsalz als zusammengesetzte Zutat in der Zutatenliste aufgeführt:
- fünfmal „jodiertes Speisesalz (Speisesalz, Kaliumiodat)“ oder
- zweimal „jodiertes Kochsalz (Kochsalz, Kaliumiodat)“.
- Bei einer Marke (fünfmal) wurden Speisesalz und Kaliumiodat getrennt in der Zutatenliste aufgeführt.
Die unterschiedliche Kennzeichnung von Salz erschwert die Auswahl beim Einkauf.
SIND KINDERWURSTWAREN BESONDERS „NATÜRLICH“?
Auch Wurstwaren für Kinder enthalten eine Vielzahl an Zusatzstoffen. Nur ein Produkt kam, außer in der Wursthülle, ohne Zusatzstoffe aus. Alle Wurstwaren enthielten Stabilisatoren, neunzehn Produkte enthielten Konservierungsstoffe, achtzehn Antioxidationsmittel.
WELCHE WERBESTRATEGIE WERDEN BEI WURSTWAREN MIT KINDEROPTIK GENUTZT?
Die kindliche Zielgruppe wurde mit Bildern von fröhlichen Kindern, Tieren oder Phantasiewesen angesprochen. Die Wurstwaren trugen alle ein Tier als besondere Identifikationsfigur, häufig mit dem Produkt in dessen Pfoten. Kinder verbinden häufig die Eigenschaften dieser Tiere mit dem Produkt. Sie können die Wurstwaren beim nächsten Einkauf wiederfinden und beeinflussen die erwachsenen Käuferinnen und Käufer.
Die Produkte enthielten oft zugesetzte Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe (achtmal). Für die erwachsenen Käuferinnen und Käufer wurde auf der Verpackung mit zugelassenen Gesundheitsaussagen geworben, den sogenannten Health Claims.
UNSER TIPP:
Kinder sollten ihren Bedarf an Vitaminen nicht durch Anreicherungen in Wurstwaren decken, sondern vor allem durch Obst, Gemüse, Nüsse, Vollkorn- und Milchprodukte. Fleisch ist im Übrigen ein guter Lieferant von den beworbenen Zusätzen Niacin, Thiamin und Vitamin B 6. Somit sind diese Vitamine bereits in Wurst enthalten, ihre Menge allerdings abhängig vom Fleischgehalt.
FAZIT:
Wurstwaren in Kinderoptik sprechen mit ihrer Aufmachung Kinder an. Die Zusammensetzung ist allerding, insbesondere durch den hohen Salzgehalt, weniger kindgerecht.