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Klickfalle bei E-Mail-Anbietern: So kommen Sie aus den Verträgen raus

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit einem einzigen Klick lassen sich im Netz Abos abschließen. Kunden von GMX und web.de melden sich häufiger bei den Verbraucherzentralen, weil sie das gar nicht wollten.
  • Auf Aktionsseiten werben die Anbieter bei ihren E-Mail-Kunden für kostenpflichtige Dienste. Die Erfahrung zeigt: Die Gestaltung der Seite lässt Nutzer häufig in einer Klickfalle landen.
  • Haben Sie einen oder mehrere solcher Verträge ungewollt abgeschlossen, sollten Sie schnell handeln! Wir zeigen, wie Sie kündigen.
Mann sitzt vor dem Laptop
Off

Eben schnell die E-Mails lesen: Wer sich als Kunde bei GMX oder web.de im Browser einloggt, kommt oft nicht direkt zu seinem Postfach. Stattdessen sind immer wieder Werbeseiten zwischengeschaltet, zum Beispiel rund um Feiertage wie Ostern. Und da können sich Kunden ungewollte Abos für Zusatzdienste einhandeln. Beide Anbieter gehören zur 1&1 Mail & Media GmbH.

Aktuell gibt es auf einer solchen Seite durch einen Klick gar drei Verträge gleichzeitig: ein Bündel bestehend aus GMX TopMail beziehungsweise dem web.de-Club, einem 100 GB großen Online-Speicher und einem Cyberschutz. "Die Werbung der beiden E-Mail-Dienste von 1&1 stellt jedoch nicht klar heraus, dass es sich um drei Verträge handelt. Klicken Nutzer auf den Kaufen-Button, schließen sie ohne nochmalige Dateneingabe für jedes der drei Produkte einen separaten Vertrag ab", sagt Susanne Baumer, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern. Wer aus den Verträgen herauskommen möchte, muss sie dann auch alle drei einzeln widerrufen oder kündigen.

Auch zu Feiertagen sind die Formulierungen in der Vergangenheit missverständlich gewesen. GMX wünschte zum Beispiel frohe Ostern, es gab einen Fahrradgutschein zu gewinnen und daneben stand etwas von einem Gratismonat. Macht nichts, mit dem Button im Bereich rechts unten geht's ja weiter zum Postfach? Wer nach diesem gewohnten Muster geklickt hat, lag daneben: Mit dem Button war vielmehr ein Abo abgeschlossen. Monatliche Kosten, in einer Osteraktion bei GMX: 6,98 Euro. Nach dem Gratismonat, also etwa vier bis fünf Wochen später, kam die erste Rechnung.

Das Gesetz schreibt für solche online abgeschlossenen Verträge einen eindeutig beschrifteten "Kaufen"-Button vor. Bei GMX und web.de heißt er so. Wir halten die Seiten wegen ihrer Platzierung im Anmeldevorgang und wegen ihrer Gestaltung für Klickfallen. Immer wieder beschweren sich Betroffene bei uns, die nie ein Abo haben wollten.

Haben Sie auf den "Kaufen"-Button geklickt, steht Ihnen zunächst ein 14-tägiger Widerruf zu. Das bedeutet, dass Sie sich innerhalb dieser Frist ohne Angabe von Gründen wieder vom Vertrag lösen können. Wie das grundsätzlich funktioniert, erklären wir in einem Beitrag zum so genannten Fernabsatz. Zur beschriebenen Osteraktion war außerdem der erste Monat kostenlos - in dieser Zeit konnten Sie laut GMX / web.de kündigen, bevor die Dienste kostenpflichtig werden.

Die Möglichkeiten für einen telefonischen Widerruf in den ersten 14 Tagen bei GMX und web.de finden Sie, wenn Sie sich im Browser in Ihren E-Mail-Dienst einloggen (unter "meine Verträge" gibt es den Punkt "Vertrag widerrufen"). Eine Kündigung ist bei den Anbietern ebenfalls innerhalb des Kundenkontos möglich. Die Anbieter verlangen hierfür, dass man sich im Kundenportal durch mehrere Seiten durchklickt. Wie das geht, zeigen wir in Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Starten Sie für GMX beim ersten Bild. Die Erklärungen für web.de gibt es ab Bild 9:

GMX: Klickfalle bei E-Mail-Anbietern
GMX: Klickfalle bei E-Mail-Anbietern
Screenshot GMX
Klickfalle bei E-Mail-Anbietern: GMX 4
Klickfalle bei E-Mail-Anbietern GMX 5
Klickfalle bei E-Mail-Anbietern GMX 6
Klickfalle bei E-Mail-Anbietern GMX 7
Klickfalle bei E-Mail-Anbietern GMX 8

Übrigens: Wer auf seinem Rechner einen E-Mail-Client einrichtet statt über den Browser die Nachrichten abzurufen, kommt ohne Umwege an sein Postfach. Dann tauchen solche zwischengeschalteten Werbeseiten gar nicht erst auf.