Antioxidantien: Helfer gegen freie Radikale

Stand:

Antioxidantien tragen zu einem verminderten Krankheitsrisiko bei. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf die Dosis kommt es an!

  • Antioxidantien entfalten schützende und gesundheits­fördernde Wirkungen, wenn sie im Rahmen einer gemüse- und obstreichen Ernährung aufgenommen werden.
  • Aber: Es ist nicht bewiesen, dass isolierte Antioxidantien in Form von Nahrungs­ergänzungs­mitteln vor Krankheiten wie Arteriosklerose, Herz-Kreislauferkrankungen, Arthritis oder Krebs­erkrankungen schützen.
  • Antioxidative Stoffe in isolierter Form können bei zu hoher Dosierung eine gegenteilige – negative – Wirkung haben.
Korb mit Gemüsen Tomaten Paprika Broccoli Petersilie
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Was steckt hinter der Werbung zu Antioxidantien?

Antioxidantien neutralisieren sogenannte "freie Radikale" und sollen somit zu einem verminderten Krankheits­risiko beitragen. Die Studienlage ist allerdings nicht ganz so eindeutig.

Die europäische Behörde für Lebensmittel­sicherheit hat die Studienlage zur Schutzfunktion von Antioxidantien geprüft und bei vielen Stoffen die Datenlage als nicht wissenschaftlich gesichert bezeichnet. Nur einige wenige Aussagen zum Schutz vor freien Radikalen (oxidativem Stress) sind zulässig. Dazu gehört für Zink, Selen sowie Vitamin C, E und B2 die Aussage, dass sie dazu beitragen "die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen". Auch erlaubt ist der Satz "Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen".

Es ist nicht bewiesen, dass isolierte Antioxidantien in Form von Nahrungs­ergänzungs­mitteln (oder in ACE-Produkten mit Betacarotin, Vitamin C und E) vor Krankheiten wie Arteriosklerose, Herz-Kreislauf­erkrankungen, Arthritis oder Krebs­erkrankungen schützen oder Alterungs­prozesse aufhalten. Auch ist eine positive Wirkung von reichlich „Radikalfängern“ im Sport nicht belegt.

Gerne werben Unternehmen auch mit einem hohen ORAC-Wert, um die antioxidative Wirkung ihres Produkts zu belegen. ORAC steht für "Oxygen Radical Absorbance Capacity", also die Fähigkeit, Sauerstoff­radikale abzufangen. Diese ORAC-Werte sind jedoch reine Laborwerte, die sich nicht auf den Menschen übertragen lassen. Damit ist die Werbung irreführend.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Antioxidantien achten?

Einige wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass Antioxidantien unter bestimmten Umständen auch negative - gegenteilige - Wirkungen haben könnten. So haben einige Antioxidantien (z.B. Vitamin C, Beta-Carotin neben der antioxidativen Wirkung auch eine prooxidative Wirkung, das heißt, sie erhöhen den oxidativen Stress. Wie Antioxidantien im Körper wirken, hängt vor allem von der aufgenommenen Menge ab. Aber auch die persönliche Situation (hoher oxidativer Stress durch z.B. Rauchen oder bei einer Erkrankung) und auch, ob die Antioxidantien im Verbund mit anderen Vitaminen, Mineralstoffen oder Pflanzenstoffen aufgenommen werden, scheint eine Rolle zu spielen. Diskutiert wird, ob zu viele Antioxidantien die Entwicklung von Asthma, Allergien und Übergewicht fördern könnten.

Solange diese eventuell gesundheits­schädlichen Wirkungen nicht endgültig geklärt sind, sollte unbedingt die Verzehrs­empfehlung des Herstellers beachtet werden (zu hohe Dosierungen vermeiden). Zudem sollte die Verwendung mit dem Arzt besprochen werden, insbesondere bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Vorgeschlagene Höchstmengen in Nahrungsergänzungs­mitteln pro Tag*

Vitamin C 250 Milligramm (mg)
Vitamin E 30 mg
Selen 45 Mikrogramm (µg)
Zink 6,5 mg
Beta-Carotin 0
Sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Flavanoide) liegen nicht vor

* Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Was sind Antioxidantien?

Antioxidantien bieten Schutz gegen sogenannte "freie Radikale". Diese freien Radikale werden zum einen vom Körper selbst während verschiedener Stoffwechsel­prozesse gebildet, zum anderen entstehen sie durch schädliche äußere Einflüsse wie Zigaretten­rauch, Umweltgifte oder UV-Strahlung der Sonne.

Gibt es zu viele freie Radikale in unserem Körper, entsteht sogenannter "oxidativer Stress". Dieser soll Krankheiten wie Arteriosklerose, Herz-Kreislauf­erkrankungen, Arthritis und Krebs­erkrankungen mitverursachen und zudem die Haut schneller altern lassen.

Oxidation lässt sich zum Beispiel bei angeschnittenen Äpfeln beobachten - sie verfärben sich braun. Dass das antioxidativ wirksame Vitamin C diese Oxidation verhindert, sieht jeder, der Apfelschnitze mit Zitronensaft beträufelt: Sie behalten ihre natürliche Farbe.

In der Regel hat unser Körper ein gut funktionierendes Schutzsystem, um die freien Radikale in Schach zu halten. Dabei wirken Antioxidantien meist nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Antioxidantien (antioxidatives Netzwerk). Einzelne Vitamine (B2, Vitamin C und E) und Mineralstoffe (Selen, Zink) sind Bestandteil dieses Systems.

Je nach Herkunft lassen sich Antioxidantien einteilen in:

  • Im Körper gebildete (z.B. Enzyme, Hormone, Stoffwechselprodukte)
  • Von außen mit der Nahrung zugeführte (z.B. Gemüse, Obst, Nüsse)

Antioxidantien aus der Nahrung sind zum Beispiel Vitamin C und E, Selen oder sekundäre Pflanzenstoffe, wie Beta-Carotin, OPC (Resveratrol), Flavonoide, Lykopin (in Tomaten), Zeaxanthin (Spinat, Paprika) oder Allicin (in Knoblauch). Deshalb ist es so wichtig, reichlich pflanzliche Lebensmittel in den Speiseplan einzubauen.

Gemüse und Obst bieten in ihrer bunten Vielfalt ein breites Spektrum antioxidativ wirksamer Stoffe. Viele dieser Stoffe befinden sich in oder direkt unter der Schale - daher, wenn möglich, die Schale mitessen.

 

Quellen:


Hahn A, Ströhle A, Wolters M.: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 3. Auflage (2016). S. 429-442

EU Register of nutrition and health claims made on foods (abgerufen am 08.02.2019)

ALS: Stellungnahme Nr. 2011/55: Angabe von ORAC Werten (abgerufen am 08.02.2019)

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