Unter Berücksichtigung der gültigen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sind alle Beratungsstellen weiterhin telefonisch erreichbar und organisieren eine Beratung für Sie. (HRO 0381 / 208 70 50, SN 0385 / 591 81 10 und NB 0395 / 568 34 10). Nutzen Sie auch den Weg über unsere sichere E-Mail-Beratung.

Natürlich, synthetisch oder gentechnisch - so werden Vitamine produziert

Stand:

Auch wenn der Begriff so natürlich klingt: Die meisten Vitamine stammen aus dem Labor, gar nicht so selten auch aus einem Gentechnik-Labor.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf Infos kommt es an!

  • Natürlicher Herkunft, also aus Pflanzen oder Tieren gewonnen, sind Vitamine nur noch sehr selten.
  • Neben der synthetischen Herstellung im Labor können sie auch durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Bakterien (GVO) gewonnen werden. Gekennzeichnet werden muss das nicht.
  • Eine kleine Orientierungshilfe bietet unter Umständen die Zutatenliste.
Vitamine Zitrone Tabletten
On

Wo kommen die Vitamine her?

Für Nahrungsergänzungsmittel wurde per Gesetz festgelegt, welche Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt werden dürfen. Wie diese produziert werden, ist nicht geregelt.

Weil es so viel preiswerter ist, werden Vitamine heute in der Regel synthetisch, das heißt im Labor erzeugt. Das kann einfach durch chemische Reaktionen erfolgen (z.B. mittels Synthese von Vitamin C aus Glukose oder durch Cracking aus Rohöl / Rohbenzin, unter anderem zur Herstellung von Vitamin A) oder aber durch biotechnische Fermentation mit Hilfe von Mikroorganismen, Pilzen oder Hefen. Unter diesen können auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sein. So ist beim Vitamin C seit ca. 15 Jahren auch ein Fermentationsverfahren mit gentechnisch modifizierten Stämmen üblich. Wirklich natürlicher Herkunft, also aus Pflanzen oder Tieren gewonnen, werden Vitamine nur noch sehr selten.

Made in China

Während bis vor etwa 20 Jahren vorwiegend amerikanische, europäische und japanische Produzenten den Vitaminmarkt beherrschten, sitzen die größten Vitaminproduzenten heute in China.

Vitamin C etwa wird fast nur noch in China produziert. Die größten europäischen Hersteller sind Pharmakonzerne wie DSM (u.a. Vitamin C und E-Produktion in China), BASF und Lonza, die Teile ihrer Produktionsstätten aber nach China ausgelagert haben oder dies planen. Zwar gibt es viele Nahrungsergänzungsmittel, die mit "produziert in Deutschland" werben, das heißt aber nicht, dass die einzelnen Zutaten, also die reinen Vitamine, nicht in China oder anderswo auf der Welt hergestellt wurden.

Wie nachhaltig die Produktion ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Teilweise wird jedoch von enormen Umweltschäden berichtet. Nach einem Bericht in der Zeit 2016 sind die Umweltauflagen in Europa zu teuer geworden, deswegen die Verlagerung nach China.

Bei Folsäure handelt es sich grundsätzlich um eine synthetische Vitaminform. Das aus natürlichen Quellen stammende Vitamin Folat ist in der Regel nicht stabil genug.

Gentechnische Verfahren sind möglich

Gentechnische Verfahren zur Vitaminproduktion werden auch als "Weiße Biotechnologie" bezeichnet und werden seit langem vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Bei Vitamin C, B2 und Vitamin B12 werden schon seit Jahren weitestgehend biotechnologische Produktionsverfahren mit gentechnisch veränderten Bakterien genutzt. Es gibt aber weiterhin auch Verfahren ohne GVO, beispielsweise für Beta-Carotin als Vitamin-A-Vorstufe oder Biotin, aber eben auch noch für Vitamin B2 und Vitamin C. Vitamin E kann sowohl biotechnologisch als auch aus (GVO-)Sojabohnen gewonnen werden.

Diese Nährstoffe könnten laut der Datenbank transgen aus gentechnischer Produktion stammen:

  • Vitamine: C, E, B2, B12, Biotin, Betacarotin
  • Aminosäuren: Cystein, Glutaminsäure, Lysin, Methionin, Tryptophan, Threonin, Phenylalanin
  • Pflanzensterine / Phytosterole

Was verboten ist: Die Vitamine dürfen nicht mit den GVO verunreinigt sein. Ist das der Fall, werden sie vom Markt genommen bzw. schon an der EU-Außengrenze zurückgewiesen. Das ist laut Europäischem Schnellwarnsystem in 2018 bei einem B2-Produkt der Fall gewesen, dabei handelte es sich um gentechnisch hergestellte, antibiotikaresistente Bakterien im Vitaminzusatz für Tierfutter.

Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden zudem auf Trägerstoffe aufgebracht, um sie besser verarbeiten zu können. Bei einigen dieser Trägerstoffe sind gentechnische Anwendungen möglich, z.B. Stärke, Glukose, Maltodextrin. Und natürlich könnten in den Nahrungsergänzungsmitteln noch weitere gentechnisch produzierte Zutaten wie Aromen und Zusatzstoffe wie Enzyme, Emulgatoren (aus GVO-Soja), Füllstoffe (Dextrin, Maltodextrin, Cellulose aus GVO-Mais) oder das Säuerungsmittel Zitronensäure ohne entsprechende Kennzeichnung enthalten sein.

Wie sieht die Kennzeichnung aus?

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten zahlreiche allgemeine Kennzeichnungsvorgaben. Hinweise auf die Produktionsweise der enthaltenen Stoffe oder die Herkunft sind aber nicht vorgesehen.

Die Zutatenliste bietet hinsichtlich der Herkunft der Vitamine lediglich eine kleine Orientierung.

Synthetisch erzeugte Vitamine werden meist mit ihrem Namen, wie z.B. Vitamin C / Ascorbinsäure aufgeführt. Stammt das Vitamin aus einer natürlichen Quelle, steht dort "Vitamin C aus Acerola-Extrakt", "Vitamin D aus Flechten", "Vitamin D aus UV-bestrahlter Hefe", "Vitamin B12 aus Chlorella-Algen" oder "Folat aus Zitronenschalenextrakt".

In Bio-Nahrungsergänzungsmitteln dürfen überhaupt keine isolierten Stoffe verwendet werden, es wird dann nur Acerola-Extrakt, Buchweizenkeimpulver oder ähnliches eingesetzt. Grundsätzlich wird bei Zutaten natürlichen Ursprungs der Name des Lebensmittels genannt, z.B. Grünkohlpulver oder Sanddornpüree.

Ein Hinweis auf die Verwendung gentechnischer Verfahren zur Produktion von Vitaminen (z.B. aus GVO-Bakterien) oder auf die gentechnische Herstellung von Trägerstoffen (z.B. Stärke, Glukose, Maltodextrin aus GVO-Mais) muss nicht erfolgen. Wird jedoch Vitamin E eingesetzt, das aus gentechnisch veränderten Sojabohnen extrahiert wurde, muss dies gekennzeichnet werden ("Vitamin E/Tocopherol aus gentechnisch veränderten Sojabohnen").

Tipp:
Nahrungsergänzungsmittel, die das Bio-Siegel oder das Ohne-Gentechnik-Siegel tragen, enthalten keine gentechnisch hergestellten Vitamine oder Trägerstoffe.

Damit ein Vitamin explizit auf der Verpackung hervorgehoben erwähnt werden darf, z.B. "mit Vitamin E", müssen in einer Tagesportion des NEM mindestens 15 % der Referenzmenge enthalten sein. Hier finden Sie Informationen zu diesen Mindestmengen, aber auch zu den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln.

 

Quellen:


Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIII, Fassung vom 01.01.2018

D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 5. aktualisierte Ausgabe, 2019

Hancock RD, Viola R (2002): Biotechnological approaches for L-ascorbic acid production. Trends in Biotechnology 20(7): 299–305

Bundesministerium für Forschung und Bildung (2007): Weiße Biotechnologie - Chancen für eine biobasiert Wirtschaft.

RASFF-Notification 2018.2755 (Dezember 2018)

Freytag B; Kopplin I: Vitamine sind knapp und teuer. FAZ vom 17.01.18 (abgerufen am 25.10.19)

BASF will bis zu zehn Milliarden in China investieren. Süddeutsche vom 09.07.18 (abgerufen am 25.10.19)

DSM in Jingjiang, China. (abgerufen am 25.10.19)

DSM completes creation of Vitamin E Joint Venture with Nenter - JV stops production for significant upgrade of plant to DSM standards, Stand: 27.08.19

Fuchs C et al.: Vitamin G! Wie Gier. Die Zeit, 21.04.16, S. 13ff

Datenbank transgen: Vitamine (abgerufen am 25.10.19)

Datenbank transgen: Nahrungsergänzungsmittel (abgerufen am 25.10.19)