Insekten essen: Eine Alternative zum Fleisch?

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Essbare Insekten sind im Landeanflug auf den deutschen Lebensmittelmarkt. Die Krabbeltiere punkten mit hohem Proteingehalt und einer nachhaltigeren Produktion als Fleisch. Ekel-Essen oder gesunde Bereicherung? Das sollten Sie über gegrillte Heuschrecken und Co. wissen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Essbare Insekten sorgen in Deutschland noch für mehr Ekel als Genuss. Dabei punkten sie mit viel Protein und einer umweltfreundlicheren Produktion als Fleisch.
  • Während gegrillte Käfer und schokolierte Heuschrecken in vielen Ländern schon Alltag sind, gibt es auch hierzulande erste Insekten-Produkte in Supermärkten und Restaurants.
  • Bei der Insektenzucht fehlen noch Erkenntnisse und Regelungen – vor allem für die Haltung, Tötung und Zulassung verarbeitender Betriebe.
Insekten zum Essen auf dem Teller
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Geröstete Wespen statt Chips, Würmer-Burger statt Hackfleisch-Patties. Essbare Insekten werden als vielversprechende Innovation im Lebensmittelsektor gesehen. Kein Wunder, denn auch wenn es für uns zunächst ekelig klingt: Die essbaren Krabbeltiere punkten nicht nur mit viel Protein und einer nachhaltigeren Produktion als Fleisch.

Warum Insekten essen?

In der Tierfütterung werden essbare Insekten schon länger zur Deckung des Proteinbedarfs von Nutztieren eingesetzt. Doch auch für Menschen bieten sie einige Vorteile:

  • Vitaminreiche Protein-Quelle: Darum sind Insekten gesund
    Essbare Insekten sind eine exzellente Quelle von Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen. In allen Insekten kommen einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor und die Krabbeltiere haben teilweise sogar einen größeren Proteinanteil als Fleisch. Der genaue Proteinanteil variiert je nach Art des Insekts. 
     
  • Insekteneiweiß ist klimafreundlicher
    Studien zeigen, dass Insekten im Vergleich zu Fleisch klimafreundlicher sind: Sie brauchen weniger Platz und Wasser als Rinder, Schweine oder Hühner und verursachen weniger Treibhausgas-Emissionen.
     
  • Nachhaltige Fleisch-Alternative
    Auch in Sachen Nachhaltigkeit gewinnen Insekten: Ihr essbarer Anteil ist mit 80 Prozent deutlich höher als zum Beispiel beim Rind (40 Prozent).

Enorme Vielfalt: Welche Insekten kann ich essen?

In Deutschland sind essbare Insekten in Deutschland noch unüblich und häufig mit Ekel verbunden. Weltweit dienen die Krabbeltiere laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aber bereits zwei Milliarden Menschen als Nahrungsquelle.
Zu den rund 2000 essbaren Insektenarten gehören vor allem Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer.

Mehlwürmer: besondere Proteinquelle für Sportler
Foto: HOerwin56 /Pixabay

Mehlwürmer: besondere Proteinquelle für Sportler

Der häufig verwendete Mehlwurm hat vor allem für Sportler einen besonderen Mehrwert. Denn werden Mehlwürmer gefriergetrocknet, erhöht sich der Proteinanteil von 18,7 Prozent auf 50,9 Prozent. Zum Vergleich: Rindfleisch hat 22,3 Prozent, Schweine- und Hühnerfleisch 22,8 Prozent. Aus diesem Grund gibt es bereits einige Proteinriegel und -pulver auf Mehlwurm-Basis für Sportler. 

Trotzdem: Die wenigsten Sportler brauchen diese Extraportion Eiweiß in Form von Riegeln und Co. 

Wo kann ich essbare Insekten probieren?

Auch auf dem deutschen (Internet-)Markt erhalten essbare Insekten inzwischen Einzug und werden in den verschiedensten Formen angeboten: Es gibt sie ganz als Snack (z. B. frittierte gewürzte Heuschrecken), in Schokolade oder Honig, gemahlen als Insektenmehl (z. B. als Zutat für Insektennudeln) sowie als Proteinriegel und –pulver für Sportler.

In vielen Teilen Deutschlands werden zudem Insektenburger mit Buffalo-Würmern über eine Supermarktkette vertrieben. Und es gibt auch bereits erste Restaurants, in denen Gäste Buffalo-Würmer oder Heuschrecken probieren können.

Wie sicher ist der Verzehr von Insekten?

Insekten als Lebensmittel sind bei uns noch relativ neu. Aus diesem Grund fehlt es hierzu noch an konkreten Regelungen in der verantwortlichen Lebensmittel-Hygiene-Verordnung. Es gibt zum Beispiel keine klaren Vorgaben zur Zulassung und Identitätskennzeichnung für insektenproduzierende und -verarbeitende Betriebe.
Österreich ist bereits ein Schritt weiter. Hier gibt es eine Leitlinie für gezüchtete Insekten als Lebensmittel. Diese legt zum Beispiel fest, dass gezüchtete Insekten nur dann in den Verkehr gebracht werden dürfen, wenn sie nach der Tötung einer Hitzebehandlung oder Behandlung mit anderen Methoden wie Hochdruckbehandlung unterzogen werden. Das soll gewährleisten, dass alle Keime abgetötet werden.

Gut zu wissen: Sind Insekten vegetarisch?

Lebensmittel mit verarbeiteten Insekten dürfen nicht als “vegetarisch“ gekennzeichnet werden.

Insekten essen - Vorsicht bei Allergien!

Allergiker sollten beim Verzehr von Insekten vorsichtig sein. Denn wer allergisch auf Krebstiere oder Hausstaubmilben reagiert, kann eine solche Reaktion auch bei Insekten zeigen. Nicht nur zum Schutz von Allergikern müssen Lebensmittel mit Insektenanteil deswegen klar als solche erkennbar und gekennzeichnet sein. Phantasiebezeichnungen in der Zutatenliste reichen nicht.

Welcher Tierschutz gilt bei der Insektenzucht?

Insekten sind Lebewesen und daher stellen sich Fragen zur artgerechten Haltung, zu geeignetem Futter und zur Tötung. Generell besteht hier jedoch noch hoher Forschungsbedarf. Es existieren bisher keine Haltungsvorschriften für Insekten in Deutschland – zum Beispiel dazu, wie viel Platz welche Insektenart benötigt. Klärungsbedarf gibt es auch zum Einsatz von Arzneimitteln wie Antibiotika oder Fungiziden und einer möglichst schonenden Tötung. In Nachbarland Österreich sind hierfür zwei Verfahren möglich:

  • Tieffrieren bei mindestens -18 Grad Celsius
  • Kochendes Wasser oder Dampf bei mehr als 100 Grad Celsius (nur bei nicht flugfähigen Entwicklungsstadien wie Larven oder Mehlwürmern)

Laut jetzigem Forschungsstand haben Insekten übrigens kein Schmerz- oder Leidempfinden wie Säugetiere. Ob das, was im Nervensystem von Insekten passiert, mit dem menschlichen Verständnis von Schmerz vergleichbar ist, lässt sich derzeit aber noch nicht beantworten.

Andere Länder, andere Ess-Sitten 

Während der Gedanke an Ameiseneiersuppe, Skorpione am Stiel, gebratene Seidenwürmer oder frittierte Wespen hierzulande noch befremdlich ist, gehören essbare Insekten in anderen Ländern längst zum Alltag. Oder sind sogar wahre Delikatessen. 

Klicken Sie weiter für eine kulinarische Insekten-Weltreise.

Thailänder essen gerne Schaben und vielerlei Larven.
Thailand
Eine sehr teure Vorspeise, die auch als “Mexikanischer Kaviar“ bezeichnet wird, ist Escamoles – das sind gekochte Ameisenlarven mit Öl und Knoblauch auf Tortillas.
Mexiko
Eine von Kindern sehr geschätzte Süßigkeit sind mit Schokolade überzogene Heuschrecken.
Süd-Mexiko und Guatemala
Gebratene Hormigas Culonas (übersetzt “dickarschige Ameisen“) gelten in Kolumbien als Aphrodisiakum.
Kolumbien
Nigerianer erfreuen sich an gerösteten Heuschrecken und an gekochten oder rohen Termiten.
Nigeria
Honigtopfameisen, die mit prallgefüllten honigähnlichen Hinterteilen aus ihren Nestern gesammelt werden, gelten bei Aborigines als Delikatesse.
Australien
Auch in verschiedenen industrialisierten Ländern werden Insekten verspeist. Japaner bereiten zum Beispiel gekochte Wespenlarven oder frittierte Zikaden zu.
Japan
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